FC Bayern München – FC Arsenal 5:1 (3:0)



Es gab etwas gut zu machen für den FC Bayern nach der durchaus herben 0:2-Niederlage im Hinspiel der Champions-League-Vorrunde gegen den FC Arsenal. Die Mannschaft von Pep Guardiola zeigte eine starke Reaktion und machte einen großen Schritt in Richtung Achtelfinale.


Der FC Bayern zeigte sich zuletzt im eigenen Stadion ohnehin äußerst gut aufgelegt in der Champions League. 21 Tore in vier Spielen, bei nur drei Gegentoren. Die Gegner waren unter anderem Barcelona und Porto.

Falls ihr es verpasst habt:

Pep Guardiola erinnerte sich an die herausragende Leistung seiner Mannschaft im Pokal gegen Wolfsburg und schickte gegen Arsenal die exakt gleiche Elf aufs Feld wie beim 3:1-Erfolg in der Vorwoche.


Bayern fast im 2-4-4. Arsenal zunächtst im 4-3-3

Martínez rückte wieder in die Innenverteidigung, Alaba auf die Linksverteidiger-Position und Coman bekam sicherlich überraschend den Vorzug vor Arjen Robben. Holger Badstuber nahm zum ersten Mal nach langer Leidenszeit auf der Bank Platz.

Auf der Gegenseite war Arsene Wenger zur Improvisation gezwungen, weil Walcott und Oxlade-Chamberlain verletzungsbedingt ausfielen. Giroud, der im Hinspiel von der Bank viel Schwung brachte stand, genau wie der sehr agile, aber am Mittwoch überforderte Joel Campbell neben und vor Özil und Sanchez in der Startelf.

Beide Mannsschaften begannen schwungvoll, aber zunächst ohne das ganz große Risiko. Ein Fernschuss von David Alaba war die erste erwähnenswerte Torannäherung in der 6. Minute. Cech hatte keine Probleme. Arsenal bemühte sich die Passwege in den Strafraum zuzustellen, aber wurde in der 10. Minute von einer perfekt platzierten Hereingabe von Thiago kalt erwischt. Gabriel Paulista verpasste den Moment für das Herausrücken und ließ Lewandowski im Rücken entwischen. Der Pole köpfte den Ball sehenswert und unhaltbar für Cech ins Netz (10.).

Die Münchner hatten kurz danach Glück, dass Schiedsrichter Rocchi und sein Team ein nicht ganz einfach zu erkennendes Handspiel von Mesut Özil ahndeten und so den postwendenden Ausgleich aberkannten. Bayern hatte zuvor geschlafen und war bei einem Arsenal-Vorstoß plötzlich in Unterzahl am Strafraum.

In der Folge spielten nur noch die Bayern. Die Roten hielten mit sehr schnellem und direktem Spiel den Druck hoch und erspielte sich eine Reihe ordentlicher Möglichkeiten. Lewandowski (2x) und Coman scheiterten zunächst mit Abschlüssen im Strafraum an Cech. In der 29. Minute war es dann aber soweit. Ein verunglückter Torschussversuch von Coman landete 10 Meter vor dem Tor bei Thomas Müller, der trocken und schnörkellos zum 2:0 abschloss. Das Ergebnis war zu diesem Zeitpunkt trotz des Wacklers nach dem 1:0 auch in der Höhe verdient.

Bayern machte weiter. Nur Cech stellte sich dem Münchner Angriffswirbel entgegen. Zwei Mal parierte der Tscheche gegen Thomas Müller. Kurz vor der Pause war aber auch der Routinier machtlos, als Alaba sich gegen zwei Mann durchsetzte und mit einem herrlich überlegten Distanzschuss zur 3:0-Halbzeit-Führung traf. Es war wie gegen Wolfsburg im Pokal vor acht Tagen eine Demonstration der Münchner Stärke gegen einen aber auch ziemlich phlegmatischen Gegner.

Nach der Pause nahmen beide Mannschaften spürbar Tempo heraus. Bayern ging nun weniger Risiko und bemühte sich mehr um Spielkontrolle und gelegentliche Nadelstiche. Schon in der 54. Minute brachte Guardiola Robben für den etwas unglücklich agierenden Coman. Nur 30 Sekunden später klingelte es erneut. Robben drückte eine herrliche Vorarbeit von Alaba mit seinem ersten Ballkontakt zum 4:0 über die Linie (55.).

Erst jetzt kam auch Arsenal wieder zu den ersten Torszenen seit dem 0:1-Rückstand. Nachdem mehrere ordentliche Abschlusschancen verpufften, sorgte Giroud mit einem sehenswerten Seitfallzieher für den Ehrentreffer (69.). Manuel Neuer wirkte davon sichtlich genervt.

Arsenal versuchte es nun zumindest noch einmal die Partie spannend zu machen, bot aber große Räume für Konter. Debuchy konnte den durchgebrochenen Robben noch in letzter Sekunde stoppen (83.). Kurz vor Schluss war dann Thomas Müller der Schlusspunkt vorbehalten, als er einen schnörkellosen Konter mit einem ebenso schnörkellosen Schuss in die kurze Ecke abschloss. 5:1. Das passende Ende einer starken Partie des FC Bayern gegen einen ersatzgeschwächten Gegner.

3 Dinge, die auffielen:

1. Thiago im Champions League-Modus


Der Spanier zeigte einmal mehr, warum er während seiner langen Verletzungspause so schmerzlich vermisst wurde. Thiagos Leistung in der ersten Halbzeit war eine Erinnerung daran, wie stark der 24-Jährige in der Lage ist ein Spiel zu dominieren, wenn alles zusammen passt. Nicht immer hat der Spanier in dieser Saison restlos überzeugt. In der Bundesliga war er in 10 Spielen zum Beispiel erst an zwei Toren beteiligt. Im Hinspiel gegen Arsenal ließ er sich in der Rückwärtsbewegung manches Mal zu leicht überpowern. Trotzdem scheint er insgesamt in der Lage zu sein in der Champions League noch einige Prozente drauf zu legen. Ein Assist, drei Torschüsse und vier Torsschussvorlagen pro 90 Minuten verbuchte er bereits vor der Partie in drei Champions League-Partien. Alles Werte, die deutlich über seinen Kennzahlen in der Bundesliga liegen. Gegen Arsenal kamen eine Torvorlage und fünf Torschussbeteiligungen hinzu.

Zur Halbzeit war es schwer eine Statistik zu finden, die Thiago nicht anführte. Er hatte die mit Abstand meisten Ballkontakte (75), die meisten Ballgewinne (4), die meisten Torschussbeteiligungen (4). Thiago war Taktgeber, Kreativspieler und Spielgestalter zugleich. Xabi Alonso begnügte sich meist damit den Ball einfach zu ihm zu passen und die Räume zu besetzen. Thiago übernahm den Rest.

Seine Vorarbeit zum wichtigen 1:0 unterstrich seine Spielintelligenz. Wie von Trainern gegen tiefstehende Gegner gern gefordert setzte Thiago gegen die engmaschige Arsenal-Defensive nicht auf scharfe Flanken in Richtung Angreifer, sondern schlenzte den Ball eher aus der Halbposition in den Rücken der Innenverteidiger und damit in den freien Raum. Fraglos profitierten er und Lewandowski beim Treffer vom späten Herausrücken Paulistas, der das Tor so erst möglich machte. Der Versuch von Thiago, die kopfballstarke Defensive durch eher gelupfte oder gechipte Bälle zu überwinden, war trotzdem ein wiederkehrendes und sinnvolles Muster. Auch eine weitere Chance von Müller bereitete er damit vor. Schon in der Liga gegen Bremen leitete er den Führungstreffer auf ähnliche Weise ein.

Die Idee dahinter ist, eben nicht darauf zu hoffen, dass sich ein Angreifer bei einer Flanke von Außen gegen häufig mindestens zwei bullige Innenverteidiger im Kopfball durchsetzt, sondern den Ball eher aus Zentral- oder Halbposition über die Köpfe hinweg in den Raum zwischen Verteidigung und Torwart zu spielen. Es ist für den Gegner deutlich schwerer den Raum im Rücken zu verteidigen als hohen Bällen entgegen gehen zu können oder mannorientiert ein direktes Kopfballduell zu suchen. Es verwundert manchmal, dass eine solche Variante nicht noch häufiger in Bayerns Spiel zu sehen ist. Gerade Müller wartet auf solche Szenen immer wieder an der Kante zum Abseits. Thiago hat dies jedenfalls verinnerlicht.

Torgefahr und individuelle Defensivstärke sind die beiden Fähigkeiten, die Thiago in der Vergangenheit vielleicht noch am ehesten zu einem kompletten Spieler fehlten. Gegen Arsenal zeigte er, wie gut und spielentscheidend er sein kann, wenn er auch diese Qualitäten auf den Platz bringt. 145 Ballkontakte, fünf Torschussbeteiligungen und 13 (!) erfolgreiche Defensivaktionen nach 90 Minuten waren Beleg seines großen Einflusses auf einen klaren Sieg.

2. 4-0-6-Madness


Nein, auch das dominante Rückspiel gegen Arsenal kann nicht alle Fragen, die nach der Niederlage im Hinspiel und dem 0:0 gegen Frankfurt aufgetreten sind, beantworten. Die Kreation von Torchancen gegen tiefstehende Gegner beim Stand von 0:0 bleibt die Königsdisziplin für eine spielerisch meist so überlegene Mannschaft wie die Bayern. Auch gegen Arsenal war es letztlich ein individueller Fehler von Gabriel Paulista, der den Dosenöffner erst möglich machte. Trotzdem können die Münchner aus diesem Spiel etwas mitnehmen. Fehler des Gegners entstehen nämlich vor allem dann, wenn Aktionsdruck und Tempo hochgehalten werden.

Wie schon häufiger in dieser Saison bemühte sich die Guardiola-Elf, den Ball schnell und direkt in die Spitze zu spielen und dort mit hoher Mannstärke und perfekt abgestimmtem Positionsspiel Situationen zu erzwingen. Gerade in der ersten Halbzeit entstanden dabei mehrfach ziemlich konsequente 4-0-6 oder 2-2-6-Staffelungen. Lahm und Alaba schoben so weit vor, dass sie auf einer Linie mit den vier nominellen Offensivspielern agierten. Entweder, indem sie die Linie herunter marschierten oder die Halbräume besetzten. Blieben sie an der Linie, rückten Costa und Coman ein und kamen mehr durch die Mitte, sodass bei den sechs offensivsten Spielern in der Regel eine leichte 2-4-Staffelung entstand. Das ständige Hinter- und Vorderlaufen sorgte für viel Bewegung und das häufige Überspielen der 6er Räume brachte den Ball zügig dort hin wo es gefährlich wurde.

Zwar entstanden aus diesen Situationen auch 2-3 recht gefährliche Gegenstöße, doch insgesamt hatten die Münchner das im Griff. Cazorla und Coquelin konnten sich jedenfalls nur selten so kontrolliert befreien wie im Hinspiel. Der Nebeneffekt dieser Staffelung ist schließlich auch, dass durch die hohe Positionierung das Gegenpressing erleichtert werden kann. 14:4 Torschüsse im Strafraum waren am Ende ein Beleg der dominanten Vorstellung.

Wie gesagt: Auch gegen Arsenal änderte das frühe 1:0 vieles. Etwas mehr Räume, durch etwas mehr Risiko der Gäste tun Bayerns Spiel enorm gut, aber dennoch war es auch das konsequente Positionsspiel, das am Mittwoch-Abend einen entscheidenden Unterschied machte.

3. Robben zeigt gute Reaktion

Es darf schon als kleine Herausforderung in Richtung Arjen Robben gewertet werden, dass der vollständig genesene Niederländer in einem wichtigen Spiel zunächst auf der Bank Platz nehmen musste. Der in den letzten Wochen gute, aber keineswegs überragende Coman durfte beginnen, wohlwissend, dass mit Robben als Joker ein echter Punch in der Hinterhand wartete. Der junge Franzose überzeugte nicht vollständig. Er spielte einige unnötige Fehlpässe, die den Spielrhythmus störten und ließ davon etwas zu offensichtlich herunter ziehen. Als Robben in der 54. Minute beim Stand von 3:0 mit verbissenem Gesicht auf seine Einwechslung wartete war klar, dass heute zwischen Muskelfaserriss und drei Toren alles möglich war. Es blieb bei einem Treffer – und das nach wenigen Sekunden. Robben zeigte jedoch auch danach, dass er trotz seiner inzwischen 31 Jahre und der vielen Verletzungen in der Vergangenheit keinen echten Schritt verloren hat.

Zum ersten Mal seit Robben beim FC Bayern spielt, gibt es Alternativen für seine Position oder besser seine individuelle Qualität. Coman und Douglas Costa spielen in der Regel etwas weniger balldominant als der Niederländer. Dafür garantiert Robben durch seine zahlreichen Anläufe und nach wie vor schwer zu verteidigen Diagonaldribblings in jedem Spiel gefährliche Situationen auch aus dem Nichts. Robben ist erfahren und schlau genug, um zu wissen, dass ihm in seiner Karrierephase Ruhe- und Schaffenspausen nur gut tun können. So lange er sein dennoch nur schwer zu verbergendes Unverständnis über eine Joker-Rolle in Aggressivität umwandeln kann, hilft er der Mannschaft auch in dieser Rolle enorm.

Ein fitter Robben bleibt eine Schlüsselfigur für alle Saisonziele, die der FC Bayern in dieser Saison verfolgt. Egal ob von der Bank oder in der Startelf.


FC Bayern
Neuer – Lahm, Martinez, Boateng (68. Benatia), Alaba – Alonso – Müller, Costa, Thiago, Coman (54. Robben) – Lewandowski (71. Vidal)

Bank
Ulreich, Rafinha, Badstuber, Kimmich

FC Arsenal
Cech – Debuchy, Mertesacker, Gabriel Paulista, Monreal – Coquelin, Santi Carzola (87. Chambers) – Campbell (59. Gibbs), Özil, Alexis Sánchez – Giroud (85. Iwobi)

Tore
1:0 Lewandowski (10.), 2:0 Müller (29.), 3:0 Alaba (44.), 4:0 Robben (55.), 4:1 Giroud (69.), 5:1 Müller (89.)

Karten
– / Özil, Campbell

Schiedsrichterin
Gianluca Rocchi (Italien)

Zuschauer
70.000 (ausverkauft)


Quelle: miasanrot.de


Die gefährlichste aller Weltanschauungen ist die der Leute, welche die Welt nie angeschaut haben.
Alexander Freiherr von Humboldt (1769 - 1859)