HFC-Gegnervorschau Hansa Rostock

Die Kogge kommt nicht zur Ruhe



In den letzten Monaten regierte - mal wieder - das Chaos beim F.C. Hansa Rostock


Genau wie der Hallesche FC feiert Hansa Rostock im Winter seinen 50. Geburtstag. Doch in ihren Strukturen könnten die Verein kaum unterschiedlicher sein. Während der HFC seit über einem Jahrzehnt mit personeller Kontinuität arbeitet, steckte Hansa zuletzt in der vielleicht größten Krise seiner Vereinsgeschichte. Eine Chronik der vergangenen Monate.

Mai 2015

Die Hansa-Mitglieder beauftragen die Vereinsführung ihres chronisch klammen Klubs, eine Ausgliederung der Profi-Abteilung vorzubereiten. Immobilienunternehmer Rolf Elgeti kündigt an, Hansa in diesem Fall künftig als Investor zu unterstützen. Obwohl die Ausgliederung noch längst nicht beschlossen ist, hilft er im Sommer bereits mit einigen Millionen aus, so dass der Verein die Lizenz für die dritte Liga erhält. Auch die sportlichen Voraussetzungen scheinen sich nach dem glücklichen Klassenerhalt zu verbessern. Die Leistungsträger der Vorsaison, unter anderem Marcel Ziemer und Christian Bickel, können zunächst gehalten werden. Zudem werden mit Rückkehrer Tobias Jänicke und Michael Gardawski überdurchschnittliche Drittligaspieler verpflichtet. Die Abwehr wird mit gestandenen Spielern wie Dennis Erdmann und Matthias Henn verstärkt.

August 2015

Nach dem verpatzten Saisonstart gegen Werder Bremen II zeigt Hansa gute Leistungen. Im DFB-Pokalspiel gegen Kaiserslautern erleben die Fans die wohl emotionalste Partie der vergangenen Jahre: Die Rostocker scheitern erst im Elfmeterschießen am Zweitligisten. Das Spiel löst Euphorie aus, die sich in den Zuschauerzahlen niederschlägt. Über Wochen kommen immer mindestens 15.000 Fans zu den Spielen. Dennoch kippt die Stimmung: Schlüsselspieler Christian Bickel wechselt nach Paderborn, Toptorjäger Marcel Ziemer verletzt sich und fällt fast die komplette Hinrunde aus. Verluste, die die Mannschaft von Karsten Baumann nicht kompensieren kann. Eine Serie von sechs Unentschieden am Stück ist die Folge, die Mannschaft stagniert im Tabellen-Mittelfeld.
Schwarzer Herbst für die Kogge

September 2015

Während es sportlich kriselt, ist der Verein zur Hinrunden-Halbzeit finanziell auf einem guten Weg - so scheint es zumindest. Doch nach dem 23. September erlebt Hansa eine der schlimmsten Krisen der Vereinsgeschichte. Vor dem Heimspiel gegen den 1. FC Magdeburg zünden beide Mannschaften Pyrotechnik in ihren Blöcken. Als die Gäste dann eine gestohlene Hansafahne präsentieren und schließlich verbrennen, eskaliert die Situation. Hansafans schießen zahlreiche Leuchtspurraketen in Richtung Gästeblock, von Seiten der Gäste fliegen ebenfalls Böller und Leuchtspurraketen. Das Spiel muss für fast 20 Minuten unterbrochen werden.
Hansa-Kapitän Tobias Jänicke im Nebel des Magdeburg-Spiels. Es war der Startschuss in eine weitere Krise beim einstigen Aushängeschild des ostdeutschen Fußballs.

In den Tagen danach werden nicht nur verschiedene Sicherheitslecks rund um das Spiel aufgedeckt. Auch ein seit Wochen schwelender Machtkampf zwischen dem Vorstandsvorsitzenden Michael Dahlmann und Aufsichtsratschef Harald Ahrens eskaliert in der Öffentlichkeit. Der Streit erschüttert den Verein in seinen Grundfesten. Mehrere Medien veröffentlichen Ende September vertrauliche E-Mails, in denen sich Dahlmann mit Investor Elgeti und führenden Köpfen der Ultraszene auf die Absetzung von Ahrens verständigen. Weil sich die Beteiligten dabei mehrfach massiv im Ton vergreifen, ist Dahlmanns Ende als Vereinschef in praktisch besiegelt. Harald Ahrens kontert und lässt die Hansa-Geschäftsstelle von der Polizei durchsuchen. Der Grund: Dahlmann habe, zusammen mit Vertretern der Ultraszene, Akten vernichten wollen. Der Vorwurf erweist sich später als haltlos.

November 2015

Michael Dahlmann tritt zurück. In der Folge veröffentlichen er, Elgeti und Ahrens mehrere Erklärungen, in denen sie sich gegenseitig die Schuld für die Misere zuschieben. Chris Müller, Finanzsenator der Stadt Rostock, übernimmt kommissarisch die Führung des Vereins.

Auch die Mannschaft verliert in diesen Wochen völlig die Linie und stürzt in den Tabellenkeller ab. Auf der Mitgliederversammlung am 1. November sollen eigentlich alle Vorwürfe geklärt werden. Doch die Veranstaltung mit über 2.000 Anwesenden verläuft genauso turbulent, wie es die Wochen zuvor taten. Es gibt Zwischenrufe, Beleidigungen und Bedrohungen. Jede Seite versucht, ihre Version der Geschichte zu erzählen. Am Ende treten neben Harald Ahrens zwei weitere Aufsichtsratsmitglieder zurück. Insgesamt dauert die Sitzung fast zwölf Stunden und erst gegen 2.30 Uhr ist das Gremium wieder vollständig besetzt. Gleich am nächsten Morgen beginnt die Suche nach einem neuen Vorstandsvorsitzenden. Kurios: Auch Michael Dahlmann bewirbt sich und hofft, in sein altes Amt zurückzukehren. Vergeblich.

Wie geht es weiter?

Am 17. November präsentiert der Aufsichtsrat einen neuen Vorstandschef. Markus Kompp, zuletzt beim Regionalligisten Rheden in der Verantwortung, soll Hansa Rostock aus der Krise führen. Nachdem er sein Vorstandsteam benannt hat, wird nun auch wieder über die Ausgliederung der Profi-Abteilung verhandelt. Im Januar soll auf einer außerordentlichen Mitgliederversammlung endgültig darüber entschieden werden. Auch sportlich gibt es einen kleinen Lichtblick: Gegen Mainz II gewinnt Hansa zum ersten Mal seit August, Trainer Karsten Baumann rettet sich mit dem Sieg vor der Entlassung. Zudem kehrt Torjäger Marcel Ziemer wieder zurück und bereitet gegen Mainz das Siegtor vor. Die Stimmungskurve bei Hansa Rostock zeigt leicht nach oben.

Quelle: MZ