Interview mit HFC-Trainer Sven Köhler "Ein junger Spieler fehlt uns noch"


Sven Köhler (M.) mit den MZ-Reporter Enrico Werner (l.) und Daniel George

HFC-Trainer Sven Köhler blickt im MZ-Interview auf das Trainingslager in Pockau zurück, spricht über die Situation mit vier Torhütern und fordert Verstärkung für den Kader.

Die Stoppuhr hing HFC-Coach Sven Köhler noch um den Hals, als er nach der letzten Einheit von Pockau am Samstag zum Gespräch mit der MZ kam. Eine Woche Trainingslager im Erzgebirge lag hinter den Drittliga-Kickern. Im Gespräch mit den MZ-Reportern Daniel George und Enrico Werner blickte der 49-jährige Coach auf das Camp zurück.

Herr Köhler, Sie waren bereits zum achten Mal zur Sommervorbereitung in Pockau. Gibt es überhaupt noch einen Grashalm, den Sie noch nicht kennen?

Köhler: Wir sind wieder hierher gefahren, weil die Bedingungen immer ordentlich waren. Wenn etwas passt, warum sollte man dann woanders hinfahren? Es erfüllt seinen Zweck.

Wie fällt ihr Fazit des Trainingslagers denn aus?

Köhler: Wir konnten das machen, was wir machen wollten: viel trainieren. Hier legt man sich in der Mittagspause vielleicht doch mal eher hin als zu Hause. Man geht eher ins Bett, weil wenige Möglichkeiten vorhanden sind, etwas anderes zu machen. Die Regenerationsphasen waren da.

Kontinuität ist ein großes

Thema beim Halleschen FC. In diesem Jahr hat sich im Kader im Vergleich zur Vorsaison nicht allzu sehr verändert. Ist das ein Vorteil für Sie als Trainer?

Köhler: Es sind nicht viele Verträge ausgelaufen. Wir hätten auch gerne Andy Gogia und Marcel Franke noch gehalten. Aber wenn Spieler die Chance haben, höherklassig zu wechseln, werden sie sie nutzen. Wir hoffen aber diese Abgänge mit den Spielern, die wir bislang verpflichtet haben, auf eine andere Art zu kompensieren.

Auf eine andere Art. Eine sehr wichtige Verpflichtung könnte Dorian Diring gewesen sein. Welchen Eindruck hat er bei Ihnen bislang hinterlassen?

Köhler: Wir wollen Andy Gogia ja nicht Eins-zu-Eins ersetzen, deshalb haben wir auch einen etwas anderen Spielertyp geholt. Er hat angedeutet, dass er uns helfen kann und mit seiner Art in die Mannschaft passt. Ein spielstarker, laufstarker Mittelfeldspieler. Jetzt haben wir noch vier Wochen Zeit, um daran zu arbeiten, dass dieser Eindruck bestätigt wird.
Sven Köhler

Manchmal überkommt es auch den früheren Profi Sven Köhler und er tritt im Training gegen den Ball. Der Trainer geht in seine neunte Saison beim Halleschen FC. (BILD: Schulz)

Und Tobias Müller?

Köhler: Auch Tobias hat schon angedeutet, dass er Qualität hat. Auch wenn es zuletzt nicht so gut lief. Wir wollen ihn aufbauen. Wir wollen das Potenzial, das er hat, aus ihm herauskitzeln.

Die bisherigen Neuzugänge haben bei ihren ehemaligen Vereinen zuletzt keine große Rolle mehr gespielt. Zeichnet es den HFC inzwischen sogar schon ein bisschen aus, solche Spieler wieder aufzubauen?

Köhler: Das müssen wir erst noch nachweisen, dass die Jungs bei uns zurechtkommen. Wir trauen ihnen etwas zu. Und wir brauchen auch nicht drumherumzureden: Wir können uns Stammspieler aus der zweiten Liga nicht leisten.

Junge Akteure können sich in Halle aber entwickeln. Der 21-jährige Probespieler Robin Urban könnte so einer sein. Wie hat er Ihnen im Trainingslager gefallen?

Köhler: Der Markt an jungen, deutschen Spielern ist relativ groß. Es gibt viele Bundesliga- oder Zweitliga-Mannschaften, die einen guten Nachwuchs haben. Die Jungs sind gut ausgebildet. Deshalb ist es immer eine Alternative, so jemanden mal ins Trainingslager mitzunehmen. Robin hat einen guten Eindruck hinterlassen. Jetzt werden wir sehen, ob wir zu einer Einigung kommen.

Welcher Spieler hat Sie mit seinen Leistungen in Pockau besonders überzeugt?

Köhler: Wenn ich einen herauspicken würde, würde ich den anderen Unrecht tun. Die Mannschaft hat in der Gesamtheit gut gearbeitet. Angefangen bei den ganz jungen wie Max Barnofsky, der seine Sache sehr ordentlich gemacht hat, bis hin zu einem Ivica Banovic, der sehr akribisch gearbeitet hat.

Einer, der nicht mehr lange dabei sein dürfte, ist Pierre Kleinheider. Der Torhüter hat zwar noch ein Jahr Vertrag, aber die Zeichen stehen auf Abschied, oder?

Köhler: Die Situation ist für mich eine klare: Pierre Kleinheider und sein Berater sind auf uns zugekommen und haben gesagt, dass sie sich anders orientieren wollen. Dann ist es auch legitim, dass wir das als Verein auch tun. Sportlich haben wir uns entschieden, auf Lukas Königshofer, Fabian Bredlow und Tom Müller zu setzen. Das bedeutet, dass es Pierre sehr, sehr schwer haben wird.

Es gibt also keine Chance auf ein Comeback?

Köhler: Nein, sonst hätten wir nicht noch jemanden geholt. Wir gehen aber auch davon aus, dass Pierre noch einen neuen Verein findet.

Gibt es Ihrer Ansicht nach noch Handlungsbedarf im Kader?

Köhler: Unser Kader ist noch nicht allzu groß, wenn mal zwei, drei Spieler verletzt sind. Wir brauchen zumindest noch einen Spieler. Wir haben aktuell 19 Feldspieler plus drei Torhüter. Der 20. Feldspieler wäre Patrick Mouaya, der noch eine ganze Weile ausfällt. Der 19. Feldspieler ist Selim Aydemir, der noch leicht angeschlagen ist.

Heißt: Es muss noch jemand kommen?

Köhler: Ich glaube, dass wir im Laufe der Vorbereitung schon noch gucken müssen, ob wir noch einen jungen Spieler dazubekommen.

Quelle: MZ