VfB macht erstes Minus seit 2002



Fußballer, so lautet ein beliebter Vorwurf, bewegen sich in einer Scheinwelt, den Blick verstellt auf die Wirklichkeiten des Lebens, je höherklassig, desto mehr. Dagegen setzte Erwin Staudt bei der Mitgliederversammlung des VfB eine einfache Weisheit. „Wir tun das, was jeder schwäbische Vater mit seiner Familie macht: Wir geben nicht mehr aus, als wir einnehmen“, sagte der scheidende Präsident und legte bei seiner Bilanz nach achtjähriger Amtszeit stolze Zahlen vor. So hat der Bundesligist seit Staudts Amtsantritt im Jahr 2003 sein Vereinsvermögen von minus 5,8 auf plus 21,5 Millionen Euro gesteigert, er hat seine Verschuldungsquote von 57 auf 15 Prozent gesenkt und seine Eigenkapitalquote von minus 21 auf plus 26 Prozent nach oben geschraubt. „Der Verein steht auf gesunden Beinen und erstklassig da“, sagte Staudt.

Das eine oder andere Mitglied mögen an der blitzsauberen Bilanz allerdings Zweifel beschlichen haben, als Ulrich Ruf unter den Klängen des Pink-Floyd-Hits „Money“ ans Mikrofon trat. Denn der Finanzvorstand hatte wenig Erbauliches zu vermelden, zumindest auf den ersten Blick. Demnach haben die Roten das Geschäftsjahr 2010 mit einem Fehlbetrag von 2,242 Millionen Euro abgeschlossen – das erste Minus seit 2002. „Wir verzeichnen reine Abschreibungsverluste, die nicht liquiditätswirksam sind“, sagte Ulrich Ruf.

Zum Stichtag 31. Dezember wies der VfB einen Umsatz von 117,702 Millionen Euro auf – das ist das drittbeste Ergebnis der Vereinsgeschichte, liegt aber rund 28 Millionen Euro unter dem Rekordwert (145,838) von 2009. Diesem Betrag standen Aufwendungen von 119,944 Millionen Euro gegenüber. Das ist zunächst betrüblich, aber auch erklärbar. So schlugen die finanziellen Belastungen durch den Umbau und das geringere Fassungsvermögen der Mercedes-Benz-Arena, fehlende Einnahmen aus der Champions League und geringere Transfererlöse zu Buche. Im Rekordjahr 2009 hatte der VfB allein durch den Transfer von Stürmer Mario Gomez zu Bayern München rund 30 Millionen Euro eingenommen. Die Personalkosten für die Profimannschaft schrumpfte 2010 von 67,597 auf 56,702 Millionen Euro.

Die höheren Verbindlichkeiten, die von 14,563 auf 22,937 Millionen Euro stiegen, sind in erster Linie auf ein Darlehen von fünf Millionen Euro für die Mercedes-Benz-Arena zurückzuführen. Durch den Stadionumbau nahm der VfB drei bis vier Millionen Euro im Jahr weniger ein. Die Fertigstellung der Arena führt künftig zu Mehreinnahmen von rund acht Millionen Euro im Jahr. Die hohe Eigenkapitalquote wertet Erwin Staudt als „Vorgriff auf das Financial Fair Play“, das die Europäische Fußball-Union (Uefa) 2013 einführt. Die Höhe des Vereinsvermögens erhält künftig bei der Lizenzierung deutlich mehr Gewicht. „Wir haben in den vergangenen Jahren immer nach dem Prinzip des Financial Fair Play gewirtschaftet. Wir sind gerüstet“, sagte Staudt.

Quelle: Stuttgarter Nachrichten


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