Martin Harnik

Fußballgott mit Megafon



Es ist eine Weile her, dass beim VfB Stuttgart ein Spieler als Fußballgott gefeiert wurde. Nach dem 4:1-Sieg gegen Werder Bremen war es wieder so weit. „Martin Harnik, Fußballgott“, schallte es durch die Arena. Der Gepriesene stand zu diesem Zeitpunkt auf der Mauer vor der Cannstatter Kurve und lächelte selig. Zuvor hatte er mit den Fans gesungen. „Europapokal, Europapokal“, brüllte er ins Megafon – und die Anhänger glücklich gemacht.

Nicht zum ersten Mal an diesem Abend: Der ehemalige Bremer hatte gegen seinen Ex-Club doppelt getroffen (45./53.). Spaß habe ihm der Ausflug in die Fankurve gemacht, und überfällig sei er gewesen, erzählte er hinterher: „Die Fans sind schon lange internationale Klasse, sie haben sich das schon lange gewünscht, aber wir wollten uns nicht zu früh feiern lassen.“ An diesem Freitag war der Zeitpunkt gekommen. „Das war mit das beste Spiel in dieser Saison, da wollten wir auch mal die Sau rauslassen“, verriet Harnik.

„Bei uns ist derzeit die Mannschaft der Star“

Dass die Fans dabei in erster Linie seinen Namen riefen, war dem Österreicher fast ein bisschen unangenehm. „Bei uns ist derzeit die Mannschaft der Star“, sagte er, „auch wenn es bei mir mal wieder ganz gut funktioniert hat.“ Ganz gut? Das war die Untertreibung des Abends. Harnik spielt die Saison seines Lebens. Mit seinen Treffern 16 und 17 unterstrich er am Freitagabend seine Rolle als bester VfB-Torjäger dieser Saison eindrucksvoll. „Ich bin selbst überrascht, dass es so viele sind“, sagte er – und überraschte dann seine Zuhörer mit dem Zusatz: „Als Stürmer sehe ich mich trotzdem nicht.“ Er sei immer noch ein Rechtsaußen. Einer, dessen vornehmliche Aufgabe nicht das Toreschießen ist. Einer, dem auch seine Aufgaben für die Defensive bewusst sind. Umso beeindruckender ist da die Torquote des „Mittelfeldspielers“.

Harnik hat ohnehin eine rasante Entwicklung durchlebt, seit er im Sommer 2010 von Fortuna Düsseldorf zu den Roten gekommen ist. Zunächst musste er sich in Stuttgart mit der Jokerrolle anfreunden, er füllte sie fantastisch aus – jetzt ist er aus der Stammelf nicht mehr wegzudenken. Und dabei war Harnik ein Schnäppchen für den VfB. Die Roten mussten Werder Bremen, das den Österreicher an den Zweitligisten ausgeliehen hatte, gerade einmal 300 000 Euro überweisen. Dass er nun ausgerechnet seinen Ex-Club mit einem Doppelpack nach Hause schickte, weckte bei dem 24-Jährigen aber keine Genugtuung. „Als ich in Bremen weg bin, war ich nicht so weit wie jetzt. Ich konnte mich dort nicht durchsetzen, aber ich habe auch keine verbrannte Erde hinterlassen.“

Wer glaubt, dass Harnik bereits zufrieden ist, mit dem, was er erreicht hat, der kennt ihn schlecht. „Es gab ja auch eine Phase, in der ich nicht so gut war“, sagt er. Bruno Labbadia weiß es zu schätzen, dass sein Torjäger nicht abhebt. „Er ist auf einem guten Weg, aber er weiß, dass er nicht nachlassen darf“, sagte der VfB-Trainer. „Mein nächstes Vorhaben“, fügte Harnik hinzu, „ist es, konstant gute Leistungen zu bringen.“ Auch ein Fußballgott hat eben noch Ziele.

Quelle: Stuttgarter Nachrichten


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