Boakye und Borja offenbaren viele Gemeisamkeiten

16.01.2008
Das neue Sturmduo der 05er fühlt sich wohl in Mainz und will mit (weiteren) Toren seinen Beitrag zum Aufstieg leisten

COSTA BALLENA. Im Angriff des FSV Mainz 05 wird künftig Englisch gesprochen. Die Tendenz geht dazu, dass der algerische Nationalspieler Chadli Amri ins Mittelfeld zurückgeht und in vorderster Front der ghanaische Nationalspieler Isaac Boakye neben dem (zum Rückrundenauftakt gesperrten) ecuadorianischen Nationalspieler Félix Borja spielt.

Auf den ersten Blick sind sich die beiden dunkelhäutigen Stürmer nicht unähnlich. Beide sind keine Riesen, haben eine ähnliche Statur. Beide lernen zwar deutsch, sprechen aber im Interview lieber englisch, leise, aber nicht ohne Selbstbewusstsein.

Auch sonst gibt es Parallelen: Boakye (sprich: Boatschi), 26 Jahre alt, ist Familienvater mit zwei Kindern. Er ist neu in Mainz, zunächst ausgeliehen vom VfL Wolfsburg, kennt aber den Verein und die Stadt noch von einem Probetraining im Sommer 2003. Der anderthalb Jahre jüngere Borja, ebenfalls Vater zweier Kinder, war von Saisonbeginn an ausgeliehen und wurde nun vorzeitig von den 05ern fest verpflichtet. Worüber er sehr froh ist: "Vom ersten Tag an dachte ich: Hier will ich lange bleiben. Es tut gut, jetzt dieses Vertrauen zu spüren." Borja war 2006 zur WM schon einmal in Deutschland. Mainz 05 ist seine zweite Station in Europa, es gefällt ihm gut hier. "Die Leute sind der wichtigste Eindruck", sagt Borja. "Mit meiner Familie fühle ich mich hier sehr wohl."

Boakye ist ohnehin seit seinem Probetraining, das nur deshalb nicht in einen Vertrag überging, weil im Etat kein Platz mehr war, 05-Fan. Soweit es im Dienste der Konkurrenz möglich war, versteht sich. Jürgen Klopp, der damals sehr schnell von Boakyes Fähigkeiten überzeugt war, hat ihn sehr beeindruckt. "Ich habe einige Mainzer Spiele im Fernsehen gesehen, und war dabei immer auf Mainzer Seite", erzählt der Ghanaer.

Gegenseitig kennen die beiden Stürmer sich noch nicht besonders gut. Als Boakye nach Mainz kam, war Borja noch im Urlaub. Im Trainingslager kam der Südamerikaner wegen einer mittlerweile auskurierten Verletzung erst am Sonntag an. "Wir konnten uns noch nicht aneinander gewöhnen", sagt Borja. "Ich habe aber schon mit Isaac geredet. Ich wünsche ihm hier alles gute, dass er beim Aufstieg helfen kann." Der ist Borjas Ziel. In dieser Sache lässt die Nummer 9 der 05er keine Zweifel zu. "Ich kann mich mit Félix gut verständigen", sagt Boakye. "Ich freue mich darauf, mit allen zusammenzuspielen, besonders mit ihm."



Neun Tore hat Borja in dieser Saison schon geschafft. "Man weiß nie, was noch passiert", sagt er. "Im nächsten Spiel werden wir das schon merken. Ich hoffe, mit vielen Toren zum Aufstieg beizutragen." Auch hier ist sich das neue Sturmduo einig. "Ich kann keine Tore voraussagen. Ich bin ja kein Zauberer", sagt Boakye. "Ich werde aber sicher ein paar machen. Das ist mir wichtig."

Die rechte Bindung zum Spiel fehlt dem Ghanaer noch. Das sieht man. Das ist aber auch kein Wunder. "Hier ist vieles neu", erklärt Boakye. "Alle Spielzüge sind neu, auf dem Platz ist mir vieles noch fremd." Angesprochen auf die Unterschiede im Training muss der Neuzugang lachen. "Hier trainieren wir viel mehr mit dem Ball", erläutert er. "In Wolfsburg sind wir mehr gelaufen. Im Spiel rennt man aber sowieso. Ich arbeite gern mit dem Ball. Darum gefällt es mir hier so."

Als die Verletzungsanfälligkeit angesprochen wird, die Boakye aus Wolfsburg nachgesagt wird, reagiert der Ghanaer empört. Er habe nur eine ernste Verletzung gehabt, erklärt er, und die sei lange her. "Alles andere waren Kleinigkeiten, die alle Fußballer haben." Es ist tatsächlich so, dass Boakye in letzter Zeit die Vorbereitungen und die Testspiele des VfL Wolfsburg komplett absolvierte. Nur in Pflichtspielen wurde er in dieser Saison kaum eingesetzt. Darunter leidet jetzt Boakyes Nationalmannschaftskarriere. Zugunsten der Eingewöhnung in Mainz und zugunsten des Trainingslagers verzichtet der neue Stürmer auf den Africa Cup, der ab dem 20. Januar in Ghana stattfindet.



Boakye baut auf seine nicht unwesentliche Rolle bei der "Black Stars" genannten Nationalmannschaft. Als 18-Jähriger debütierte er als damals einziger Juniorenspieler in der A-Mannschaft, seitdem gehört er dazu. "Man wird mich sicherlich nicht vergessen, nur weil mir in dieser Situation der Verein wichtiger ist", hofft Boakye. Im Verein spielt Boakye erst seit dem 17. Lebensjahr, entdeckt wurde er in einer Schulmannschaft. Nach Deutschland kam der schnelle Angreifer von Asante Kotoko FC aus seiner Heimatstadt Kumasi. Dieser Verein war im Sommer zu einem Testspiel in Mainz, wo er 0:1 verlor. Kreise schließen sich manchmal. Diesen Kreis hat Isaac Boakye, damals in Wolfsburg, nur knapp verpasst.