Teil 1

Vorschau: Eintracht Frankfurt – FC Bayern München



Für den FC Bayern kam die Länderspielpause vielleicht zum richtigen Zeitpunkt. Während Thomas Müller und Robert Lewandowski das Toreschießen wiederentdeckten, hatte ein Großteil des Kaders Zeit zur Regeneration. Am Samstag muss der Rekordmeister in Frankfurt antreten.

In der jüngeren Vergangenheit haben sich die Münchner dort immer schwer getan. Auch deshalb, aber vor allem weil es derzeit bei der SGE läuft, äußert sich Frankfurt-Fan Marvin bei uns im Interview sehr optimistisch über die Partie gegen den amtierenden Meister.

* Hallo Marvin, stell dich zunächst bitte kurz den Lesern vor und erzähl uns was Eintracht Frankfurt für dich so besonders macht.

Hi, mein Name ist Marvin, auf Twitter findet ihr mich als @marv2punkt0 und ich bin Teil des Teams vom Eintracht-Podcast und seit viel zu langer Zeit Fan dieses merkwürdigen Vereins. Seit 1995 gehe ich regelmäßig ins Waldstadion, habe mich von Okocha, Bindewald und Caio verzaubern lassen und einer der Hauptgründe für meine langjährige Faszination dürfte sein, dass die Eintracht es immer wieder schafft, mich trotz – oder gerade wegen – ihrer tabellarischen Instabilität emotional abzuholen.

* In der letzten Saison ist die SGE fast abgestiegen. Nach 6 Spieltagen in der aktuellen Spielzeit hat man 10 Punkte eingefahren und unter anderem Schalke sowie Leverkusen bezwungen. Hat sich grundlegendes verändert oder ist es zu früh um darüber zu urteilen?

Für eine umfassende Beurteilung ist es in meinen Augen zu früh, allerdings merkt man, dass die Eintracht mit Trainer Kovac gegenwärtig auf einem guten Weg ist. Es zeigt sich, dass die Mannschaft mehr Potential hat, als man es ihr vor der Saison zugetraut hätte. Insbesondere, wenn sie an ihr Leistungsmaximum geht und den von Kovac oft geforderten absoluten Einsatz bringt. Immer bissig, immer nah am Mann. So stört man den Gegner, verunsichert ihn und schafft damit selbst Situationen, die Chancen entstehen lassen. Trotzdem darf nicht außer Acht gelassen werden, dass wir gegen Schalke und Bayer zu einer Zeit spielten, in der beide Teams noch nicht in Topform waren. Da kam uns der Spielplan entgegen.

* Welche Ziele verfolgt der Verein kurz-, mittel- und langfristig?

Kurzfristig kann das Ziel nur Klassenerhalt heißen, optimalerweise ohne Drama. Die Konzepte für mittel- und langfristige Planung müssen nach dem Wechsel von Bruchhagen hin zu Bobic erst ausgearbeitet werden, aber durch die Veränderung, dass man nicht mehr zwingend auf Spielerkäufe, sondern vermehrt auf Leihen setzt, zeigt sich eine neue Strategie in der Kaderplanung. Aktuell ist es für die Verantwortlichen der Eintracht wichtiger, hochwertige und ausbaufähige Spieler zumindest per Leihe zu bekommen, als Spieler, die ungefähr auf dem Niveau des bisherigen Kaders sind, fest zu verpflichten. Dahinter steckt zudem die Idee, die entstehenden Lücken durch Abgänge der Leihspieler mit eigenen Talenten zu füllen. Dies halte ich jedoch für optimistisch und – ehrlich gesagt – eine Wunschvorstellung.
Langfristig geht es für den gesamten Verein darum, nicht den Anschluss zu verlieren. Traditionsverein hin oder her – wenn die Ergebnisse nicht stimmen, nutzen auch über 100 Jahre Vereinsgeschichte nichts. Die Eintracht muss aufpassen, nicht endgültig von Hoffenheim und bald auch Leipzig abgehängt zu werden und so liegt der Fokus der Verantwortlichen darauf, wirtschaftlich konkurrenzfähig zu bleiben. Es werden Modelle wie das der “Genussscheine” diskutiert, um mehr Geld in die Kassen zu spülen. Sportlich gesehen wünscht man sich das Anklopfen am Europapokal, auch um die Marke zu stärken. Doch um den Grundstein dafür zu legen, muss die Eintracht mit Kovac in dieser Saison erst mal problemlos die Klasse halten.
Verdächtig oft hört man in den letzten Monaten, dass man sich Mainz durchaus als Vorbild nimmt, die ihren Fans Jahr um Jahr guten Fußball präsentieren und zudem regelmäßig ein dickes Plus auf dem Transfermarkt erzielen. Zwar ist die Kennzeichnung als “Ausbildungsverein” nicht für jeden positiv, allein weil das Selbstverständnis vieler Fans anders ist, doch arbeiten die Verantwortlichen der SGE genau darauf hin.

* Was macht Niko Kovac deiner Meinung nach aus und was hältst Du von ihm?

Ich bin absolut begeistert von ihm und seiner Art. Es war durchaus ein Risiko, einen Mann für den Abstiegskampf zu holen, der zuvor nicht in der Bundesliga als Trainer aktiv war, doch schon zu Beginn war im Training ein Unterschied zu Veh festzustellen. Disziplin und Kampfgeist sind bei ihm nicht nur hohle Phrasen, sondern essentieller Bestandteil seiner Philosophie. Und diese wird gegenwärtig absolut gut umgesetzt. Die Befürchtung, wonach er nur ein kurzfristiger Motivator sein könnte, scheint sich folglich nicht zu bewahrheiten. Darüber hinaus kommt seine ungemein respektvolle Art in Frankfurt sehr gut an. Sowohl zu Fans als auch zu Journalisten ist er immer freundlich und unterscheidet sich auch damit von seinem Vorgänger, der nicht selten ruppig mit – insbesondere jüngeren – Journalisten umging


Niko Kovac und Eintracht Frankfurt haben nach gelungenem Saisonstart gut lachen.
(Foto: Alex Grimm / Bongarts / Getty Images)


* Die Frankfurter haben bis zum 6. Spieltag nach den Bayern im Schnitt am höchsten verteidigt. Durch das Spiel gegen Freiburg sind sie in dieser Statistik wieder abgerutscht. Ist ein hohes und mutiges Pressing dennoch eine Option für das Spiel am Wochenende? Wie erwartest du die SGE?

Ich bin mir nicht sicher, ob Kovac so mutig sein wird, aber ich würde es für eine gute Idee halten. Die ersten Partien haben durchaus gezeigt, dass ein hohes Pressing für uns die Formel sein kann, den Gegner in Bedrängnis zu bringen und da es in meinen Augen sowieso nichts bringt, sich gegen die Bayern über 90 Minuten hinten reinzustellen, würde ich eine aggressive Art des Pressings befürworten. Ganz wichtig wird sein, dass die beiden Außenverteidiger an diesem Tag keinen Durchhänger haben. Hier muss insbesondere Oczipka zu alter Stärke zurückfinden.

* Wo siehst du Schwachstellen bei den Münchnern, die Frankfurt ausnutzen könnte?

Ja, ich weiß. Der erste Glitzer nach Ancelottis Ankunft ist weg und das Unentschieden gegen herausragend starke Kölner nervt, aber: Die Bayern haben kaum Schwachpunkte, die die Eintracht adäquat ausnutzen könnte. Ich gehe viel eher davon aus, dass die SGE maximal dann eine Chance hat, wenn sie mit mehr Leidenschaft und aggressivem Pressing spielt. Wenn es einen Schwachpunkt im Geflecht der Bayern gibt, dann eventuell auf der Rechtsverteidigerposition, wenn Rafinha diese einnimmt. Im internationalen Vergleich sehe ich ihn schwächer als die hochklassige Konkurrenz, aber sofern Lahm dort spielt, sind die Bayern auch auf dieser Position über jeden Zweifel erhaben.

* In den letzten sechs Spielen in Frankfurt hat der Rekordmeister eine Niederlage, zwei Unentschieden und drei Siege verbucht. Darunter zwei knappe 1:0-Erfolge. Da kann man sich als Frankfurter ja durchaus Hoffnungen machen. Wie wird das Spiel ausgehen?

Nachdem es bei mir in den letzten Jahren etwas anders aussah, bin ich aktuell ungewohnt optimistisch. Gelingt es der Mannschaft um Niko Kovac, von Beginn an bissig zur Sache zu gehen, halte ich ein 1:1 für zwar sehr optimistisch, aber nicht unmöglich. Essentiell wird sein, die wenigen sich bietenden Chancen zu nutzen. Leider wird meine Vorfreude auf das Spiel davon getrübt, dass Block 40 aufgrund der Geschehnisse in Magdeburg gesperrt wird. Ich habe Bedenken, dass die – insbesondere bei einem solchen Spiel – wichtige Stimmung unter der Abwesenheit von ca. 2000 fehlenden Fans leiden wird.

* Wenn Du dir einen FCB-Spieler für euren Kader aussuchen könntest, wer wäre es und warum?

Wenngleich er in dieser Saison bislang noch nicht so richtig in Fahrt kam: Für mich wäre das ganz klar David Alaba. In meinen Augen einer der besten Fußballer der Welt, universal einsetzbar und ein Spieler, der unsere Schwachstellen optimal ausbessern könnte.

Quelle: https://miasanrot.de


Die gefährlichste aller Weltanschauungen ist die der Leute, welche die Welt nie angeschaut haben.
Alexander Freiherr von Humboldt (1769 - 1859)