FC Bayern München - Süle-Abgang, Fan-Entfremdung, Transfermarkt: Oliver Kahn meldet sich zu Wort

Oliver Kahn hat im Rahmen einer Medienrunde den Abschied von Niklas Süle bestätigt. Der Vorstandsboss des FC Bayern sprach außerdem über die Entfremdung der Fans vom Fußball, den Transfermarkt sowie die Arbeit von Trainer Julian Nagelsmann und Sportvorstand Hasan Salihamidzic.

"Die Verhandlungen mit Niklas haben sich eine sehr lange Zeit hingezogen. Wir haben ihm ein Angebot gemacht. Das hat er nicht angenommen. Er möchte am Saisonende den Verein verlassen. Wir haben eine gewisse Verantwortung, was die Angebote angeht. Wir müssen uns an gewisse Rahmenbedingungen halten. Das hat sich im Laufe der letzten Tage so ergeben", sagte Kahn.

Der FC Bayern beschäftige sich "natürlich mit Spielern", erklärte der 52-Jährige auf die mögliche Verpflichtung eines Ersatzmannes für Süle angesprochen: "Wir haben aber Hernandez, Pavard, mit Upamecano einen exzellenten Innenverteidiger, wir haben Nianzou. Es gibt viele Möglichkeiten. Aber klar muss sich der FC Bayern bei Abgängen immer mit Spielern beschäftigen."

Kahn äußerte sich außerdem zur Preiserhöhung bei DAZN: "Dass das nicht positiv aufgenommen wird von den Fans, das kann ich verstehen. Ich kann mich aber auch in die übertragenden Sender hineinversetzen. Ich höre das Wort Entfremdung häufig. Ich wäre da vorsichtig. Bei uns beim FC Bayern können wir nicht sehen, dass sich unsere Fans bei uns - auch bei den digitalen Zahlen - entfremden. Ich bin keiner, der dieses Buzzwort Entfremdung einfach so in den Mund nehmen wird."

Zudem lobte Kahn Nagelsmann und Salihamidzic. Es sei erstaunlich, wie schnell Nagelsmann beim FC Bayern angekommen ist. Bei Salihamidzic "kann ich mir gut vorstellen, dass er noch eine lange Zeit beim FC Bayern bleiben wird".

Kahn über sein Karriereende und Vergleiche mit Neuer: "Manuel bricht alle Rekorde und lässt nichts mehr für mich übrig. Ich habe ihm gesagt: Das eine oder andere könntest du mir lassen. Aber er ist sehr, sehr gefräßig. Er zeigt keine Ermüdungserscheinungen nach so vielen Titeln. Er geht voran. Das sieht man und das hört man. Er führt die Mannschaft. Er ist das typische Beispiel des Spielers, der nie zufrieden ist. Buffon spielt immer noch, wenn ich richtig informiert bin. Er kann noch sehr, sehr lange spielen. Ich war 38 oder 39. Ich habe langsam genug gehabt. Manuel tickt da anders."

Kahn über das Jubiläum am 5.2., als St. Pauli zum "Weltpokalsiegerbesieger" wurde gegen den FC Bayern: "Das war was besonderes. Im ersten Moment war ich irritiert. Den Begriff hatte ich davor noch nie gehört. Ich fand es ganz originell. Bei St. Pauli war es immer schwer zu spielen. Unglaublich emotionale Fans."

Kahn über den Transfermarkt: "Die Dinge - auch mit Blickrichtung 2024 - sind in vollem Gange. Für uns ist es wichtig, auf der Gehälterebene eine gewisse Beruhigung ins Fußballgeschäft zu bekommen. Bei Transferhöhen wäre eine gewisse Beruhigung sinnvoll. Wir sind auf einem guten Weg, was ein Salary Cap angeht. Da haben wir klare Vorstellungen. Ich bin sehr, sehr optimistisch, dass da gute und positive Dinge passieren. Das lässt uns als traditioneller Klub weiterhin positiv nach vorne schauen. Wir sind weiterhin konkurrenzfähig. Der FC Bayern hat es auch ohne exorbitant hohe Mittel geschafft, oben mitzuspielen. Die Herausforderung bleibt immer die gleiche. Ich bin alles andere als negativ."

Kahn über die CL-Reform 2024: "Wenn man sich die CL anschaut, wie lange es die heutige CL schon gibt. Natürlich haben wir uns alle an das Format gewöhnt. Natürlich lieben wir alle die CL. Aber man hat gesehen, dass es viele Gruppenspiele gibt wo die Gruppen schon entschieden waren. Es ist immer sinnvoll nachzudenken: Wie kann man ein Format verbessern und weiterentwickeln. Es muss immer spannend sein, am besten bis zum Schluss. Die Qualifikation muss zu 100 Prozent sportlichen Kriterien unterliegen. Dafür setzen wir uns beim FCB ein. Dass so ein Format weiterentwickelt wird, versteht sich von selbst. Warten wir es erstmal ab."

Kahn über Süle: "Wir haben lange Gespräche geführt, die sind über Wochen und Monate gegangen. Er hat in den letzten fünf Jahren sehr gute Leistungen gezeigt. Er gehört zu den besten Innenverteidigern, die es gibt. Diese Wertschätzung haben wir ihm immer entgegengebracht."

Kahn über das Treffen mit Lauterbach: "Es ging darum, die Argumente zu verstehen und zu verstehen: Warum sind da keine Zuschauer zugelassen? Für mich war da kein System, kein Sinn mehr dahinter. Es ging mir darum: Was ist jetzt der Plan? Wichtig war auch zu erfahren, wie die Situation aus politischer Situation eingeschätzt wird. Es geht darum, dass einer den anderen versteht."

Kahn über seine Rolle in der Öffentlichkeit: "Es ist eine Interpretation der eigenen Rolle. Ich habe sehr, sehr viele Aufgaben, die nicht in der Öffentlichkeit stattfinden müssen. Ich denke nicht nur an die wirtschaftlichen Aspekte, dazu gehören auch sportpolitische Themen. Ich kann mich nicht jeden Tag vor eine Kamera stellen. Es geht darum, einen Mittelweg zu finden. Ich muss mich einfinden, um den richtigen Rhythmus zu finden. Es geht um eine eigene Interpretation, wie man die Rolle interpretiert."

Kahn über Nagelsmann: "Julian ist nach Außen locker, das ist die eine Facette. Die andere Facette - die ist für uns wichtiger - ist die Frage: wie arbeitet er nach innen? Es ist erstaunlich, wie schnell er angekommen ist und die Mannschaft von seiner Führung überzeugt hat. Man spürt es, wenn man bei der Mannschaft ist. Man sieht es auf dem Platz, welchen Fußball wir spielen. Wir hätten in Berlin unglaublich viele Tore schießen können. Wir kassieren nicht mehr so viele Gegentore. Das geht nicht auf Kosten der Attraktivität. All das bringt Julian in dem jungen Alter zusammen. Das ist sensationell."

Kahn über ablösefreie Abgänge: "Das Problem hat der FC Bayern nicht exklusiv. Das bringt auch die Pandemie mit sich. Das gibt auch Chancen. Wir haben Möglichkeiten, auch an ablösefreie Spieler ranzukommen."

Kahn über Salihamidzic: "Ich arbeite schon eine lange Zeit mit Hasan zusammen. Wir arbeiten sehr, sehr gut zusammen. Hasan und ich haben einiges miteinander erlebt. Wenn man sich seine Mannschaft und den Kader anschaut und den Erfolg: Das spricht alles für Hasan. Gemeinsam mit Marco Neppe und seiner Sachkenntnis. Ich kann mir gut vorstellen, dass Hasan noch eine lange Zeit beim FC Bayern bleiben wird."

Kahn über die Preiserhöhung bei DAZN und eine Entfremdung: "Ich kann das hier aus der Distanz nicht beurteilen. Ich kann weder das Geschäftsmodell von DAZN beurteilen noch irgendwas zu den Preissteigerungen sagen. Dass das nicht positiv aufgenommen wird bei den Fans, das kann ich verstehen. Ich kann mich aber auch in die übertragenden Sender hineinversetzen. Ich höre das Wort Entfremdung häufig. Ich wäre da vorsichtig. Bei uns beim FC Bayern können wir nicht sehen, dass sich unsere Fans bei uns - auch bei den digitalen Zahlen - entfremden. Ich bin keiner der dieses Buzzwort Entfremdung einfach so in den Mund nehmen wird."

Kahn über juristische Schritte gegen Geisterspiele: "Da können schonmal die Gedanken aufkommen, dass man die ganzen Regeln nicht mehr nachvollziehen kann. Wir sind bisher aber immer sehr gut in der Zusammenarbeit mit den Ämtern gefahren."

Kahn über Süle: "Wir haben Niklas ein sehr, sehr gutes Angebot gemacht. Er spielt solide, souverän. Den brauchen wir noch in dieser Saison. Aber wir müssen uns an bestimmte Regeln halten. Wir haben wirtschaftliche Grenzen, in denen wir uns bewegen müssen."

Kahn über Lewandowski und Haaland: "Bei Lewandowski. Der ist ein absolutes Phänomen, auf welchem Niveau er spielt. Da gibt es nicht viel zu überlegen. Natürlich werden wir alles versuchen, dass Robert möglichst lange bei uns bleibt. Er ist fast eine Versicherung für uns. Zu Haaland: Ich wrede nicht über Spieler von anderen Vereinen sprechen."

Kahn über seine bisherige Zeit: "Ich bin sehr, sehr schnell angekommen. Es war wichtig, Rummenigge über die Schultern zu schauen. Wir haben viele Dinge schon angeschoben - im sportlichen Bereich und auch in anderen Bereichen. Ich fühle mich rundum wohl."

Kahn über Neuer: "Es versteht sich von selbst, ob es Neuer, Lewandowski oder Müller ist. Alles Spieler, an denen man die Erfolge festmachen kann. Es versteht sich von selbst, dass wir mit all diesen Spielern in den Austausch gehen. Das ist auf unserer Agenda ganz oben."

Kahn über Corona: "Ich habe mich bei dem Berlin-Spiel mit unserem Gesundheitsminister getroffen, um Entscheidungen zu verstehen. Das ist eine sehr schwierige Situation. Es macht Sinn, mit 10.000 Zuschauern anzufangen."

Kahn über Tolisso: "Nach einigen Verletzungen ist es erstaunlich auf welchem Leistungsniveau er Fußball spielt. Es kann uns nichts besseres passieren, als wenn Spieler top Leistungen erbringen."

Kahn über einen Süle-Ersatz: "Wir haben viele Möglichkeiten, was die IV-Position anbelangt. Gehen Sie davon aus: Natürlich beschäftigen wir uns mit Spielern. Wir haben aber Hernandez, Pavard, mit Upamecano einen exzellenten Innenverteidiger, wir haben Nianzou. Es gibt viele Möglichkeiten. Aber klar muss sich der FC Bayern bei Abgängen immer mit Spielern beschäftigen."

Kahn über die Zuschauer-Rückkehr: "Das war ein sehr erfreulicher erster Schritt in die richtige Richtung. Dieses Signal ist wichtig in dieser Zeit. Wir haben eine sehr, sehr gute Infrastruktur. Wir haben Daten gesammelt, als wir noch Zuschauer hatten. Diese Daten belegen, dass so gut wie kein Infektionsgeschehen von der Allianz Arena ausgegangen ist. Wir brauchen vernünftige Lösungen, nicht nur für den Fußball. Wir sollten uns speziell die Gegebenheiten anschauen."

Kahn über Süle: "Die Verhandlungen mit Niklas haben sich eine sehr lange Zeit hingezogen. Wir haben ihm ein Angebot gemacht. Das hat er nicht angenommen. Er möchte am Saisonende den Verein verlassen. Wir haben eine gewisse Verantwortung, was die Angebote angeht. Wir müssen uns an gewisse Rahmenbedingungen halten. Das hat sich im Laufe der letzten Tage so ergeben."

Quelle: https://www.spox.com/de/sport/fussb...mit-oliver-kahn-heute-im-liveticker.html


Die gefährlichste aller Weltanschauungen ist die der Leute, welche die Welt nie angeschaut haben.
Alexander Freiherr von Humboldt (1769 - 1859)