Ismael wirklich fit für Bayern?

Hecking lässt sich nicht drängen. Die nächsten Trainingstage entscheiden.


Valérien Ismaël drängt auf seinen Einsatz. Ist er aber wirklich schon bereit für die Bayern?

VON GUNTHER NEUHAUS
HANNOVER. Wenn man ihm etwas Böses wollte, hätte man gestern sagen können: Valérien Ismaël kennt die Laufwege bei 96 noch nicht. Jedenfalls bog er nach rechts ab, als der Rest der Gruppe nach links lief – aber nur, weil er versehentlich noch etwas weiter rennen wollte.

Ismaël bereitet sich also überaus eifrig auf einen möglichen Einsatz am Sonntag gegen die Bayern vor. Natürlich will er gegen seinen Ex-Klub unbedingt spielen, und es kann auch sein, dass es so kommt – es muss aber nicht.
Zwar ist Ismaël „fit“, wie 96-Trainer Dieter Hecking sagt, die Laktatwerte sind gut. Damit ist aber noch nicht geklärt, ob er den Anforderungen in der Bundesliga schon genügt. „Es geht darum“, warnte Hecking erneut, „dass der Spieler 13 Monate keinen Trainings- und Spielrhythmus hatte“ – was sich auch in den letzten Tagen noch im Übungsbetrieb zeigte. Ismaël wirkte noch etwas unbeweglich und griff in den Zweikämpfen oft zum letzten Mittel, der Grätsche.
Hat sein Einsatz also gegen die starken Bayern-Stürmer Luca Toni und Miroslav Klose schon Sinn? Diese sensible Frage muss Hecking beantworten. Weil Vinicius gegen Karlsruhe eine miserable Leistung ablieferte und der frühere Bayern-Star Ismaël zunehmend unruhiger wird, wie sich auch in seinem Wutanfall zeigte, ist inzwischen ein öffentlicher Druck entstanden: Es wird schlicht erwartet, dass Ismaël endlich spielt.

Hecking hat das Gefühl, „es wird Politik gemacht“, aber „das Spiel mache ich nicht mit“, zeigte er sich unbeeindruckt. Es sei falsch, „nur weil der gesamte Defensivverbund und damit Vini vielleicht bei den Toren gegen den KSC nicht gut aussah, alles in Frage zu stellen“.
Noch hat Hecking vier Tage Zeit, um Ismaëls Leistungsfähigkeit zu bewerten. „Wir werden die Trainingswoche bei ihm genau beobachten“, das gelte aber auch für Vinicius und Fahrenhorst. Hecking hat aber längst begriffen, dass er eine neue Herausforderung bewältigen muss. „Der Konkurrenzkampf auf allen Positionen“ werde „häufiger ein Thema sein in der Zukunft. Mal ist es Ismaël, dann Hanke, Enke, Schulz, Lala, Balitsch, Cherundolo oder Tarnat. Es kann jeden treffen.“ Wichtig ist nur, wie sie bei 96 damit umgehen.