03.05.2016 | 21:02 Uhr | Jonas Freier
HANNOVER 96
NP-Anstoß: Ein erstklassiger Schwur
Big-Boss-Treffen beim vorerst letzten Erstligaanstoß in der Nordkurve. Während Niedersachsens Ministerpräsident Weil beim NP-Talk launig drauflosplauderte, musste der 96-Chef Martin Kind auch mal ernst werden. Kein Wunder, sein Club steigt nach 14 Jahren Bundesliga als Tabellenletzter ab.
HANNOVER. „Dieser Abstieg tut einfach weh“, gab Kind einen Einblick in sein Gefühlsleben, „er trifft mich am meisten.“ Aber der 96-Chef gab sich gestern schon wieder kämpferisch: „Wir müssen in der nächsten Saison wieder aufsteigen. Es werden alle Entscheidungen getroffen, damit dieses Ziel erreicht wird. Mit aller Härte und aller Konsequenz.“ Hat er zwischendurch mal ans Hinwerfen gedacht? „Für mich war irgendwann ab März klar, dass wir nur mit viel Glück nicht absteigen werden. Das hat mich dann schon vier Wochen lang beschäftigt.“ Jetzt nicht mehr, im Gegenteil. Kind, gerade 72 geworden: „Ich trete nicht ab, bevor wir wieder aufgestiegen sind.“ Kommt dann auch der Bart ab? „Weiß ich noch nicht, das spart morgens eine Viertelstunde.“

Kind gestand auch Fehler ein. Ja, man hätte wohl nicht mit Michael Frontzeck verlängern sollen: „Aber er hat die Klasse gehalten.“ Ja, auch das Festhalten am Sportdirektor Dirk Dufner sei falsch gewesen. Und ja, auch von Thomas Schaaf habe sich 96 zu spät getrennt. „Herr Schaaf hat immer gesagt, beim nächsten Mal wirds besser“, sagte Kind. Ministerpräsident Weil brachte es auf den Punkt: „Man hat zu lange auf gute Namen geschaut und nicht darauf, wo sie sich diese guten Namen erworben haben und wie lange das her ist.” Am Ende der Schaaf-Zeit, so Kind, „hatten wir nicht eine Mannschaft, sondern fünf bis sechs Mannschaften - eine Gruppenbildung mit Sprachbarrieren. Und deshalb sind wir abgestiegen.“

Nun bietet sich „die Chance für einen Neuanfang“, so Weil. Mit dem Trainer Daniel Stendel. Der sollte eigentlich nur bis zum Saisonende bleiben, doch dann dachte 96 um. Hat Kind das allein entschieden? „Es war eine gemeinsame Entscheidung”, sagte Kind. „Zwischen Martin und Kind?”, fragte Moderator Christoph Dannowski frech. Da musste auch der 96-Präsident lachen.

Der sang dann noch ein Loblied auf Stendel. Was den von Schaaf unterscheidet, wusste Schatzschneider zu berichten: „Stendel kommt in die Köpfe der Spieler rein. Du bekommst keinen richtigen Kontakt zur Mannschaft, wenn in deinem Umfeld nur Leute sind, die mein Alter haben.“ Schatzschneider ist 58, Stendel 42.

Wichtig sei, so Schatzschneider, dass Stendel Unterstützung bekomme. Kind versprach: „Wir werden uns im sportlichen Bereich verstärken, weil auch ein Trainer Stendel seine Krisen haben wird.“ Das heißt: Ein Sportchef kommt. Ob das Geschäftsführer Martin Bader und dem Sportlichen Leiter Christian Möckel gefällt oder nicht. Schlusswort des Ministerpräsidenten: „Wie ich Martin Kind kennengelernt haben, ist er sein schärfster Kritiker. Ich bin gespannt, wie es weitergeht.“


Quelle: www.neuepresse.de