14.06.2016 / Profis

ZWISCHEN DERBY UND DÜSSELDORF - DAS ERWARTET DIE 96-FANS (5)

Der fünte Teil behandelt die drei Teams aus dem Osten der Republik: Union Berlin, Erzgebirge Aue und Dynamo Dresden. Am 05. August startet die 2. Bundesliga dann in die Saison 2016/17 und damit für alle 96-Fans auch eine spannende Reise ins Ungewisse: Neben einer sportlich von Leidenschaft und Kampf geprägten Liga werden unsere Fans zu Entdeckern eines nur noch Wenigen bekannten Terrains. Wo es die günstigsten Tickets und weitesten Anreisen gibt, was Ihr über die gegnerischen Teams wissen müsst und was es sonst noch Neues gibt, erfahrt Ihr hier in einem achtteiligen Reiseführer zur Saison 2016/17!


SG Dynamo Dresden
Es war ein Jahr der Superlative für die SG Dynamo Dresden. Denn neben dem grandiosen Aufstieg der Profis und dem Verbleib der U17 in der Junioren-Bundesliga, konnte auch die U19 in die höchste Spielklasse aufsteigen und setzte der vergangenen Saison damit das I-Tüpfelchen auf. Doch der Aufstieg kam nicht aus heiterem Himmel, er kam mit Ansage: Von Beginn an wurde das Saisonziel klar formuliert und mit Uwe Neuhaus frühzeitig ein erfahrener Zweitligatrainer von Union Berlin verpflicht. Der 52-Jährige war sich der großen Aufgabe bewusst, schreckte jedoch nicht vor unpopulären Entscheidungen zurück, als er SGD-Größen wie Benny Kirsten und Thomas Köhler den Laufpass gab. Am Ende standen 15 Neuzugänge und 14 Abgänge zu Buche und der Ex-Soldat Neuhaus schaffte es auf Anhieb eine Einheit zu formen: In den ersten zwölf Partien holte Dynamo zehn Siege und zwei Unentschieden. Traumstart! Bis zum Saisonende verloren die Sachsen nur zwei Mal und sicherten sich damit völlig verdient den Aufstieg in die 2. Bundesliga. Einziger Wehrmutstropfen: Mit dem Torschützenkönig der 3. Liga Justin Eilers (23 Tore, zu Werder Bremen) und dem Kapitän Michael Hefele (zu Huddersfield Town) verlassen zwei absolute Leistungsträger die SGD.

Das letzte Aufeinandertreffen
Drei Mal trafen die Roten bisher im DFB-Pokal auf die SG Dynamo. Zuletzt setzten sich die 96er in der 2. Runde des DFB-Pokals 2012/13 durch und zogen vor heimischer Kulisse per Elfmeterschießen in die nächste Runde ein.

Die Stadt
Die Frauenkirche, die Semperoper oder das Residenzschloss machen die sächsische Landeshauptstadt an der Elbe zu einem Pendant des italienischen Florenz – und wird daher auch als "Elbflorenz" bezeichnet. Direkt in der Innenstadt liegt auch die Kneipenmeile "Münzgasse": In der urigen "Kutscherschänke" (Münzgasse 10) erwarten Euch diverse Kaltgetränke und eine rustikale sächsisch-böhmische Küche.

Der Verein
Dynamo Dresden spielte insgesamt 98 Mal im Europapokal, holte acht DDR-Meisterschaften, sieben Pokalsiege und ist bis heute der erfolgreichste und populärste ehemalige DDR-Club. Nach der Wende begann jedoch eine Berg- und Talfahrt für die Sachsen: Von der 1. Bundesliga führte der Weg nach einem Lizenzentzug in die drittklassige Regionalliga und für zwei Jahre gar in die viertklassige Oberliga. Danach ging es wieder bergauf und man pendelt seitdem zwischen dritter und zweiter Liga.

Das Stadion
Exakt dort, wo seit 1923 das altehrwürdige Rudolf-Harbig-Stadion stand, entstand zwischen 2007 und 2009 das moderne 32.066 Plätze fassende DDV-Stadion. Für die Gäste sind 1800 Stehplätze zum Preis von 13,50 Euro reserviert. Eine bisher unbekannte Anzahl an Sitzplätzen gibt es für 20-24 Euro. Ein 0,4l-Feldschlösschen bekommt Ihr für 2,80 Euro (7 Euro/Liter), eine Bratwurst für 2,50 Euro.

Die Anreise
Mit dem Auto fahrt ihr knapp unter vier Stunden bis ins 371 Kilometer entfernte Dresden. Weitere Informationen zur Anreise findet Ihr hier.

Und sonst?
Mit Matthias Sammer und Ulf Kirsten stammen zwei Spieler aus dem Dresdener Nachwuchs, die sowohl für die DDR- als auch für die Nationalmannschaft der BRD aufliefen. Sammer holte 1996 mit dem deutschen Team den bislang letzten EM-Titel und wurde zudem Weltfußballer und bester Spieler der EM gekürt.

FC Erzgebirge Aue
In dieser Serie wurde schon oft von "Umbrüchen" oder dergleichen gesprochen. Aber all dies wird dem nicht gerecht, was vor der vergangenen Saison in Aue passiert ist: Lediglich Kapitän Martin Männel, Mike Könnecke und sechs Jugendspieler, die insgesamt auf gerademal drei Einsätze kamen, waren vor der vergangenen Saison bereits im Kader vom FC Erzgebirge Aue. Rekordverdächtige 22 Neuzugänge musste der ebenfalls neue Trainer Pavel Dotchev nach dem Abstieg der Veilchen in die 3. Liga zu einer Mannschaft formen – mit Erfolg. In 38 Spielen verlor Aue lediglich sechs Partien und rangierte seit dem 23. Spieltag durchgängig auf dem zweiten Platz. Und nicht nur das: Auch im DFB-Pokal sorgten die Veilchen für zwei Überraschungen, als sie in der ersten Runde Greuther Fürth und in der zweiten Runde Eintracht Frankfurt rauswarfen. Erst Im Achtelfinale gegen den 1. FC Heidenheim war Schluss. Torgefährlichster Mann war der zur Winterpause als Leihspieler aus Karlsruhe gekommene Pascal Köpke mit elf Toren aus 15 Einsätzen. Zur neuen Saison wechselt der Sohn des Bundestorwarttrainers nun fest ins Erzgebirge.

Das letzte Aufeinandertreffen
Der FC Erzgebirge Aue ist nach Sandhausen, Heidenheim und Würzburg die vierte Premierenbegegnung für die Niedersachsen.

Die Stadt
Auch wenn Aue den Fußballfans deutschlandweit bereits ein Begriff ist, hat die Stadt im Erzgebirge lediglich 16.000 Einwohner. Wer in der Bergbau- und Industriestadt vor Anpfiff mit einem selbstgebrauten Bier auf seine Kosten kommen will, findet dies in "Lotters Wirtschaft" (Altmarkt 1).

Der Verein
Seit 2003 gehört der FC Erzgebirge Aue fast durchgängig zum Stammklientel der 2. Bundesliga. Die konstant besten Platzierungen gelangen den Veilchen dabei in den drei ersten Jahren, in denen Aue zwei Mal 7. und einmal 8. wurde. 2011 wurde Aue noch einmal 5. Vor der Wiedervereinigung holte der FC Erzgebirge drei Meisterschaften und einmal den Pokal in der DDR.

Das Stadion
Das Sparkassen-Erzgebirgsstadion befindet sich noch bis 2017 im Umbau und bietet dann 16.485 Menschen Platz. 1500 Stehplätz für 8-12 Euro stehen den Gästen zur Verfügung. Über Sitzplatzmöglichkeiten gibt es aufgrund der Bauarbeiten aktuell keine Informationen. Dafür gibt es in Aue das voraussichtlich günstigste Bier: Für ein 0,4l-Wernesgrüner zahlt Ihr 2,50 Euro (6,25 Euro/Liter), für eine Bratwurst ebenfalls.

Die Anreise
Für die 381 Kilometer nach Aue benötigt Ihr von der HDI Arena knappe vier Stunden mit dem Auto. Weitere Infos findet Ihr hier.

Und sonst?
Gerd Schädlich übernahm 1999 für acht Jahre das Traineramt beim FC Erzgebirge und führte die Veilchen aus der Regionalliga bis in die 2. Bundesliga. Seit der Wende gilt er damit als erfolgreichster und langjährigster Coach beim FCE.

1. FC Union Berlin
Mit einem 2:1-Heimsieg gegen den Meister SC Freiburg verabschiedeten sich die Köpenicker mit dem 6. Platz in die Sommerpause und hatten damit auch in der siebten Zweitligasaison in Folge nichts mit dem Abstieg zu tun. Vor allem in der heimischen Alten Försterei legte Union den Grundstein für ihre zweiterfolgreichste Spielzeit in der 2. Bundesliga: Zu Hause stehen bei 33 Punkten lediglich zwei Niederlagen zu Buche. Trotz der erneut starken Saison mussten die Eisernen im Laufe der Spielzeit auf den gesundheitlichen Ausfall von Sascha Lewandowski, der das Amt am 6. Spieltag erst von Norbert Düwel übernahm, reagieren. Für den inzwischen verstorbenen Lewandowski übernahm der langjährige Co-Trainer André Hofschneider, der zur neuen Serie den Verein verlässt und das Feld für Neu-Coach Jens Keller räumt. Mit dem Fußballehrer soll der seit Jahren stabile Weg der Union fortgesetzt werden. Ein Baustein dafür ist auch Felix Kroos: Der 25-Jährige wechselte per Leihe bereits im vergangenen Winter von Bremen nach Berlin und wird zur neuen Saison fest verpflichtet. Für einen anderen Neuzugang heißt es jedoch schon wieder Abschied. Bobby Wood kam vor einem Jahr von 1860 und war mit 17 Toren bester Torschütze der Köpenicker. Der US-Amerikanische Nationalspieler schnürt seine Schuhe in der kommenden Spielzeit für den HSV.

Das letzte Aufeinandertreffen
2001/02 trafen die Niedersachsen zuletzt auf Union Berlin. In den zwei bisher einzigen Spielen gegen die Eisernen holte 96 einen Sieg und ein Unentschieden. Damals übrigens mit dabei: Daniel Stendel und Jörg Sievers.

Die Stadt
Berlin ist groß, sehr groß, und bietet tausende Möglichkeiten, sich auf die 90 Minuten einzustimmen. Für alle, die jedoch vor der Partie ein wenig den Union-Stadtteil Köpenick erkunden wollen, empfiehlt sich ein Besuch im "Ratskeller Köpenick" (Alt-Köpenick 21).

Der Verein
Der im östlichen Berlin gelegene Kultverein 1. FC Union spielte anders als Hertha BSC nach Kriegsende in der DDR und holte dort einmal den Pokal. Nach der Wende schafften es die Eisernen 2001 auch in das DFB-Pokalfinale und qualifizierten damit sensationell für den UEFA-Cup. Seit 2009 spielen die Köpenicker nun durchgängig zweitklassig und haben sich somit als feste Größe in der 2. Bundesliga etabliert.

Das Stadion
Die Alte Försterei ist mit 22.012 vielleicht nicht das größte Stadion, aber sicherlich eines der stimmungsvollsten Spielstätten im deutschen Profifußball. Damit die Atmosphäre noch ein wenig besser wird, stehen den 96-Fans 2400 Steh- für 5,50-12 Euro und 100 Sitzplätze für 32-36 Euro bereit. Das 0,5l-Berliner Pilsener bekommt Ihr für 3,80 Euro, die Bratwurst gibt´s für 2,50 Euro.

Die Anreise
Insgesamt drei Stunden benötigt Ihr mit dem Auto für die 299 Kilometer nach Berlin-Köpenick. Für weitere Infos zur Anreise klickt hier.

Und sonst?
Bei Union wird’s nie langweilig: Zwei Mal wurde den Köpenickern 1993 und 1994 wegen mangelnder Wirtschaftlichkeit der Aufstieg in die 2. Bundesliga verwehrt. Um einen vollständigen finanziellen Ruin zu verhindern, wurden damals eine Reihe Spieler verkauft, die bei Union den ersten großen Karriereschritt gingen: Martin Pieckenhagen, Marko Rehmer und Sergej Barbarez.