Bundesliga

Die Trainerschmiede



Der 1. FSV Mainz 05 macht seit Jahren nicht nur durch die Leistungen auf dem Fußballplatz auf sich aufmerksam, sondern auch durch die Entwicklung eigener Übungsleiter.

Gedanken an das Ende der Ära Jürgen Klopp bei Borussia Dortmund führen aktuell irgendwann automatisch nach Mainz. Beim dortigen FSV begann sie nämlich, die beeindruckende Trainerkarriere des schwäbischen Vollblut-Fußballlehrers. In der Saison 2000/2001 wechselt der Verteidiger direkt vom Platz auf die Trainerbank. Nachdem die Rheinhessen mit dem Belgier René Vandereycken und Eckart Krautzun an der Seitenlinie den Erfolg vermissen lassen, beendet Jürgen Klopp im Februar 2001 seine Spielerlaufbahn und startet zwei Tage später die als Trainer. Mit sechs Siegen aus den folgenden sieben Partien führt er die Mainzer von einem Abstiegsplatz der 2. Bundesliga in gesicherte Tabellenregionen – und ist zudem beim FSV die menschliche Kugel des Startschusses einer erfolgreichen Trainerschmiede.

Jürgen Klopp etablierte die ausgeprägte kommunikative Art, mit Spielern umzugehen. Er startete den Powerfußball am Bruchweg, war extrem energisch an der Seitenlinie und vor allem: aus den eigenen Reihen. Elf Jahre lang trug der heutige Fußballlehrer damals bereits das FSV-Trikot, und sein Erfolg war der Anstoß für die Nullfünfer, auch zukünftig auf den eigenen Trainernachwuchs zu setzen. Denn heute gilt: so wie die Fastnacht zu Mainz gehört, so scheint zum FSV ein hausgemachter Vollbluttrainer mit einer kommunikativen Ader zu gehören. Zumindest erweckt der Blick auf die vergangenen 14 Jahre diesen Eindruck.

Martin Schmidt ist ein "Vollgas-Trainer"

Diese bestimmte allen voran Jürgen Klopp, doch nicht nur zeitmäßig steht Thomas Tuchel kurz hinter ihm. Fünf Jahre lenkte er die Geschicke an der Mainzer Seitenlinie, wurde immer mit seinem Vorvorgänger verglichen und stand diesem auch in kaum etwas nach: ähnliches Engagement, ähnliche Energie, ähnlicher Fußballstil, ähnlicher Umgang mit den Spielern, außerdem ebenfalls schon am Bruchweg als Trainer tätig. Als Jörn Andersen in Mainz beurlaubt wurde, trainierte Thomas Tuchel gerade die A-Junioren der Nullfünfer und rückte auf.

Der norwegische Übungsleiter wiederum beweist ebenso wie Thomas Tuchels Nachfolger Kasper Hjulmand, dass in Mainz offenbar eher der energiegeladene und kommunikative Trainertyp als der ruhigere und zurückhaltendere funktioniert. Jedenfalls trennten sich die Rheinhessen von Jörn Andersen, trotz dessen erfolgreicher Bilanz, und auch Kasper Hjulmand gilt im Nachhinein als zu ruhig für den 1. FSV Mainz 05 – und so kehrten die Verantwortlichen mit dessen Nachfolger Martin Schmidt wieder zum bewährten Trainertyp zurück.

Mit seiner Beförderung im Februar dieses Jahres kam nicht nur der Erfolg zurück, sondern auch die Energie auf die Trainerbank. Ein „Vollgas-Trainer“, wie die Frankfurter Allgemeine Zeitung schrieb. Zudem ist auch er – wie Jürgen Klopp und Thomas Tuchel – ein großer Freund von mutigem Offensivfußball, Pressing, Balleroberungen und hohem Tempo auf dem Platz. Und: er kommt natürlich aus den eigenen Reihen. 2010 wechselte der Schweizer Fußballlehrer vom FC Thun nach Mainz und trainierte fortan die U23. Er kennt demnach die Spielphilosophie des FSV, gestaltete sie in den vergangenen Jahren maßgeblich mit. Umso lieber schenkte Christian Heidel ihm das Vertrauen und verlängerte seinen Vertrag um drei Jahre.

Der Mainzer Manager ist neben dem jeweiligen Coach der wohl wichtigste Baustein der erfolgreichen Mainzer Trainerschmiede. „Egal, was wir mit Thomas Tuchel am Schluss für Dissonanzen hatten. Aber auch er wird sagen, und Kloppo sowieso: ,Das Beste, was mir auf meiner ersten Profi-Trainerstation passieren konnte, war, zu einem Klub zu kommen, der mich machen ließ. Auch Fehler machen ließ. Ich konnte mich als Trainer so entwickeln, wie ich gerne als Trainer sein wollte“, sagte Christian Heidel erst kürzlich der FAZ und fügte an: „Die Jungs, die bei uns als Trainer rauskommen, sind so, wie sie sind: nicht immer jedermanns Liebling[…]Aber man weiß, was man bekommt.“ Die Fußballfans dürfen gespannt sein, ob auch Martin Schmidt eine vergleichbare Ära beim 1. FSV Mainz 05 gelingt wie seinen beiden namhaften Vorgängern.

Quelle: Stuttgarter Nachrichten


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