Bundesliga

Hop on, hop off mit Holger Badstuber

Der VfB-Abwehrspieler steht vor der Rückkehr. Warum die ständigen Verletzungen nichts an seiner Bedeutung für die Mannschaft ändern.

[Linked Image]
Zwei Tore konnte Holger Badstuber (vorne) in dieser Saison bejubeln – beide gegen den FSV Mainz.

Holger Badstuber hat fleißig trainiert in den vergangenen Tagen. Was insofern eine Nachricht ist, als dies bei Holger Badstuber keine Selbstverständlichkeit darstellt. In diesem Kalenderjahr kam der 28-Jährige erst auf eine Handvoll Trainingseinheiten. Aus dem Trainingslager des VfB Stuttgart in Spanien musste der frühere Nationalspieler wegen Adduktorenproblemem vorzeitig abreisen. Zum Rückrundenauftakt gegen Hertha BSC reichte es für den Innenverteidiger zu einem siebenminütigen Kurzeinsatz, eine Woche später in Mainz stand er über die volle Distanz auf dem Platz. Ehe die Muskeln in der Leistengegend wieder Alarm schlugen.

Insofern ist bei Holger Badstuber alles beim Alten. Die alten Leiden, sie wollen nicht enden. Anders als zu seiner Zeit beim FC Bayern München, die gekennzeichnet war von schweren Verletzungen (Muskelriss im Oberschenkel, zwei Kreuzbandrisse, Sehnenriss, Knöchelbruch), sind es in Stuttgart eher Wehwehchen, die ihn plagen. Vor allem die Adduktoren verlangen immer wieder nach einer Auszeit.

Die nun, nach neuerlichen zwei Spielen Pause, zu Ende zu gehen scheint. Stand jetzt steht einem Einsatz am Sonntag (15.30 Uhr) gegen Borussia Mönchengladbach nichts im Wege. Vorausgesetzt, Trainer Tayfun Korkut vertraut genauso auf seinen Innenverteidiger wie zuvor Hannes Wolf. Unter dem Ex-Trainer galt die feste Regel: Ist Badstuber fit, spielt er. Weil er noch immer zu den besten deutschen Innenverteidigern zählt, woran auch die ständigen Verletzungen und der fehlende Spielrhythmus nichts ändern konnten. Rein, raus, rein, raus – so sah das in der Vorrunde meist aus. Badstuber mutierte zum Hop-on-Hop-off-Profi.

Wie wirken sich die ständigen Wechselspielchen aus?

Obwohl die Verteidigung im bisherigen Saisonverlauf noch das kleinste Problem des Aufsteigers war, stellt sich vor seiner erneuten Rückkehr die Frage: Wie vertragen sich die ständigen Wechselspielchen auf Dauer? Eingespieltheit im Abwehrverbund ist schließlich ein wichtiger Trumpf. Den der VfB nur selten ziehen konnte. Auch wegen diverser anderer Verletzungen in der Mannschaft stand in dieser Saison noch selten dieselbe Elf zweimal in Folge auf dem Platz.

Der 28-Jährige hält sich zu den Rochaden in der Abwehr lieber bedeckt, dafür sagt sein langjähriger Begleiter Hermann Gerland: „Wenn er einsatzfähig war, hat er immer gut gespielt. Ich sehe da überhaupt kein Problem für den VfB.“ Auch Karl Allgöwer schätzt die Qualitäten des Holger Badstuber als so herausragend ein, dass er es für töricht hielte, nicht auf ihn zu setzen. „Er ist der beste und erfahrenste Abwehrspieler beim VfB“, meint der Stuttgarter Rekordtorschütze. Nur Thomas Berthold gibt zu bedenken: „Abstände, Laufwege, Kommandos – generell sind Rotationen in der Abwehr immer schlecht.“ Doch auch der Weltmeister von 1990 legt sich fest: „Der VfB kann im Abstiegskampf nicht auf einen Mann wie Holger Badstuber verzichten.“

Badstuber mag nicht der Seuchenvogel sein

Adduktorenprobleme hin, Oberschenkelverletzungen her – Badstuber ist noch immer der Boss. Dazu genügt es ihn ein paar Minuten auf dem Platz zu beobachten. Dort gibt der Innenverteidiger, der es nicht mag, ständig mit dem Stempel des Seuchenvogels versehen zu werden, den Wortführer. Mimik und Körpersprache verraten, wer 15 Jahre beim Branchenprimus an der Säbenerstraße zugebracht hat. Badstuber vermittelt das Mia-san-Mia-Gefühl an seine Kollegen mit dem roten Brustring – oder versucht es zumindest. Seine Nebenleute Benjamin Pavard, Timo Baumgartl oder Marcin Kaminski wirken an seiner Seite stabiler. „Man sieht in jedem Spiel, dass sie ihn akzeptieren und auf seine Kommandos hören“, hat Allgöwer beobachtet.

Ganz unumstritten ist der gebürtige Memminger, dessen Zukunft nach Saisonende noch offen ist, auf dem Wasen dennoch nicht. Er beansprucht zwar keinen Sonderstatus, interpretiert seine Rolle als Abwehrspieler aber mit dem Selbstverständnis eines sechsfachen deutschen Meisters. Der 28-Jährige glaubt selbst am besten zu wissen, wo seine Stärken in der Mannschaft zum Tragen kommen sollen. Dass sie es sollen, sowieso. Wenn er fit ist.

Quelle: Stuttgarter Zeitung


Mummi [Linked Image]