Bundesliga

Schafft der VfB wieder die späte Rettung?

Dreimal schaffte der VfB in den vergangenen fünf Spielzeiten die späte Rettung. Jetzt steht er wieder am Abgrund – und hofft, dass er auch diesmal das Glück zwingen kann. Auf die Roten wartet das nächste Herzschlagfinale.



Das Leben am Abgrund in der Fußball-Bundesliga ist nichts Ungewöhnliches mehr für den VfB. Seit Jahren schon kämpft der Verein um das sportliche Überleben. Einfacher macht das die aktuelle Situation nicht. 2011 ging es los, da befreite sich die Mannschaft noch relativ unbelastet aus der sportlichen Schieflage. 2014 und 2015 war die Lage wieder prekär – richtig prekär. Am Ende schrammte der VfB jeweils nur um Haaresbreite am Abstieg vorbei.

So knapp war es davor schon einmal. Am vorletzten Spieltag der Saison 2000/01 rettete sich der VfB durch einen 1:0-Sieg gegen Schalke 04 vorzeitig. Krassimir Balakov hatte sich im Machtkampf mit Trainer Ralf Rangnick durchgesetzt, die Misserfolge hatten seine Position aber nicht gestärkt. „Wir sind von Angst zerfressen“, bekannte Pablo Thiam. Gegen Schalke dauerte es unter Rangnick-Nachfolger Felix Magath bis zur 90. Minute, ehe Balakov zu großer Form auflief und den Siegtreffer erzielte.

Ähnlich dramatisch endete die Saison 1998/99. Eine Niederlage gegen Werder Bremen hätte den Absturz in die Zweitklassigkeit bedeutet. Der VfB siegte durch ein Tor von Fredi Bobic nach sechs Minuten mit 1:0. „Ich bin sicher, dass wir so eine Saison nicht mehr erleben“, sagte Präsident Gerhard  ­Mayer-Vorfelder. So kann man sich täuschen.

Jetzt rücken die Einschläge näher, und sie häufen sich. Was die aktuelle Lage noch schwieriger macht als in den vergangenen Jahren: Diesmal kommt die Mannschaft von oben. Aus einer vergleichsweise komfortablen Situation ist sie in die Abwärtsspirale geraten, zum Beispiel durch die 1:2-Heimniederlage gegen den Dauer-Verlierer Hannover 96. Die bange Frage: Schafft der VfB diesmal wieder die späte Rettung?

Das muss passieren: Wieder steht der Verein am Scheideweg: Quo vadis, VfB? Die Gefahr, in den Tabellenkeller zu rutschen, war seit Wochen spürbar, richtig ernst genommen hat sie in der Mannschaft niemand. Motto: Wird schon! Nach nur einem Sieg in neun Spielen brennt plötzlich der Baum. Jeder weiß: Ein Sieg in vier ausstehenden Spielen könnte zu wenig sein, vier Punkte sind das Minimum.

Tabelle 30. Spieltag

15. VfB Stuttgart 46:60 Tore/33 Punkte

16. Werder Bremen 42:60/31

17. Eintracht Frankfurt 29:49/27

18. Hannover 96 26:54/21

Restprogramm: VfB – Borussia Dortmund, Werder Bremen – VfB, VfB – FSV Mainz 05, VfL Wolfsburg – VfB.


Saison 2010/11 – Endspurt mit sieben Siegen

Das passierte: Vier Spieltage vor Saisonende bekannte Christian Träsch: „Auf die Zweitligatabelle schaue ich nicht.“ Dabei war der VfB dem Abgrund bedenklich nahe gerückt. Nach einem verpatzten Saisonstart und nur zwölf Punkten bis zur Winterpause spitzte sich die Lage unter dem neuen Trainer Bruno Labbadia immer mehr zu. Zwei Tore durch Stürmer Cacau zum 3:1-Sieg gegen den Hamburger SV waren vier Spieltage vor Schluss die halbe Miete. Mit dem 2:1-Erfolg am vorletzten Spieltag gegen Hannover 96, dem siebten Sieg in zehn Spielen, war der Klassenverbleib endlich perfekt. „So eine Saison will ich nicht mehr erleben“, stöhnte Cacau.

Tabelle 30. Spieltag

14. VfB Stuttgart 52:55/33

15. Eintracht Frankfurt 29:40/33

16. VfL Wolfsburg 34:44 /29

17. FC St. Pauli 32:53/29

18. Bor. Mönchengladbach 43:64/26

Restprogramm: VfB – HSV 3:0, TSG Hoffenheim – VfB 1:2, VfB – Hannover 96 2:1, FC Bayern – VfB 2:1.

Tabelle 34. Spieltag

12. VfB Stuttgart 60:59/42

16. B. Mönchengladbach 48:65/36

17. Eintracht Frankfurt 31:49/34

18. FC St. Pauli 35:68/29


Saison 2013/14 Trotz Niederlage gerettet

Das passierte: Martin Harnik, zweifacher Torschütze beim 3:1 gegen Schalke, hatte „Gänsehaut-Gefühle“. Eine Woche später, nach dem 0:0 in Hannover, war Daniel Didavi hin- und hergerissen: „Wir haben nicht verloren, das war gut. Wir haben nicht gewonnen, das war nicht gut.“ Beim letzten Heimspiel gegen den VfL Wolfsburg erinnerte die Galerie VfB-Sportdirektor Fredi Bobic an seinen Spruch vor der Saison: „An diesem Kader lasse ich mich messen.“ Der VfB verlor 1:2 und war dank der ebenfalls sieglosen Konkurrenz dennoch gerettet. „Wir werden die Saison analysieren und die richtigen Schlüsse daraus ziehen“, versprach Bobic.

Tabelle 30. Spieltag

15. VfB Stuttgart 45:58/28

16. Hamburger SV 46:62/27

17. 1. FC Nürnberg 35:58/26

18. Eintracht Braunschweig 28:52/25

Restprogramm: VfB – Schalke 04 3:1, Hannover 96 – VfB 0:0, VfB – VfL Wolfsburg 1:2, Bayern München – VfB 1:0.

Tabelle 34. Spieltag

15. VfB Stuttgart 49:62/32

16. Hamburger SV 51:75/27

17. 1. FC Nürnberg 37:70/26

18. Eintracht Braunschweig 29:60/25


Saison 2014/15 Furioses Finale

Das passierte: Fehler über Fehler, individuell verteilt auf die ganze Mannschaft: Immer patzte ein anderer. Torhüter Sven Ulreich sah in Augsburg (1:2) ziemlich unglücklich aus, Linksverteidiger Adam Hlousek vermasselte die komfortable 2:0-Führung gegen Freiburg (2:2), Innenverteidiger Georg Niedermeier schlug auf Schalke ärgerlicherweise über den Ball. Mit dem 2:3 (nach 2:1-Führung) betonierte der VfB am viertletzten Spieltag seinen 18. Tabellenplatz. „Jetzt müssen wir noch neun Punkte holen“, sagt Verteidiger Florian Klein vor den letzten drei Saisonspielen. Keiner lacht. Der VfB holt neun Punkte in den letzten drei Saisonspielen, und alle lachen – vor Glück über die Rettung in letzter Minute.

Tabelle 30. Spieltag

13. Hertha BSC  34:46/34

14. SC Freiburg 31:41/30

15. Hannover 96 33:51/29

16. Hamburger SV 19:46/28

17. SC Paderborn 27:58/28

18. VfB Stuttgart 34:55/27

Restprogramm: Schalke 04 – VfB 3:2, VfB – FSV Mainz 05 2:0, VfB – Hamburger SV 2:1, SC Paderborn – VfB 1:2.

Tabelle 34. Spieltag

13. Hannover 96 40:56/37

14. VfB Stuttgart 42:60/36

15. Hertha BSC 36:52/35

16. Hamburger SV 25:50/35

17. SC Freiburg 36:47/34

18. SC Paderborn 31:65/31

Quelle: Stuttgarter Nachrichten


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