Vorbereitung

Schindelmeiser bezieht Position zu Fernreisen

In der Liga wird über Sinn und Unsinn von Fernreisen in der Vorbereitung diskutiert – und Jan Schindelmeiser bezieht Position. Der Sportchef des VfB Stuttgart stellt die sportlichen Aspekte über die internationale Vermarktung.

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VfB-Sportchef Jan Schindelmeiser richtet den Fokus auf den Klassenerhalt.

Jan Schindelmeiser zieht sich gerne auf die Beobachterposition zurück. In Neustift schreitet er dann über den Platz und setzt sich auf die Trainerbank. Dort hat der Manager des VfB Stuttgart die idyllische Berglandschaft des Stubaitals hinter sich und das rege Treiben des Teams vor sich. Zufrieden ist Schindelmeiser mit beidem: den Bedingungen im österreichischen Trainingslager sowie den Perspektiven des Fußball-Bundesligisten.

Die Spieler geben Gas. „Wir befinden uns aber noch mitten im Prozess, uns weiter zu verbessern“, sagt der Manager. Dass aus diesem Grund noch ein Innenverteidiger verpflichtet werden soll, ist bekannt, bringt Schindelmeiser jedoch nicht aus der Ruhe. Auch wenn die Unruhe um ihn herum spürbar ist. Doch die weiteren Aktivitäten auf dem Transfermarkt bleiben eine Frage des Geldes. „Die Finanzen spielen eine große Rolle, weil wir das Ganze als Paket betrachten müssen“, sagt der Manager, der nicht nur einen Innen-, sondern ebenso einen Außenverteidiger verpflichten möchte. Schaden könnte es da nicht, wenn der VfB nach der Ausgliederung in eine Fußball AG noch weitere Geldquellen erschließen könnte. Etwa durch die internationale Vermarktung.

Platzieren der Marke in Fernost ist Zukunftsmusik

„Dass wir über Themen wie Internationalisierung zu gegebener Zeit wieder intensiver nachdenken werden, ist selbstverständlich. Aber wir müssen das richtig sortieren. Nicht, dass wir international auftreten und national in der dritten Liga spielen“, sagt Schindelmeiser. Das Platzieren der eigenen Marke in Fernost ist demnach Zukunftsmusik, aber vorstellbar. Zum Beispiel in Japan, wohin Kontakte bestehen und mit Takuma Asano auch ein Zugpferd in den VfB-Reihen spielt. Nur: „Bis vor acht Wochen wussten wir nicht einmal, in welcher Liga wir spielen. Und um so eine Asien-Reise vorzubereiten, braucht es einen längeren Vorlauf“, sagt Schindelmeiser.

Nichts geht also über die Alpen, da der Aufsteiger seinen Fokus allein auf den Klassenverbleib richtet. „Mit dem FC Bayern, Borussia Dortmund und Schalke 04 waren die Clubs in Asien unterwegs, die von der internationalen Vermarktung am meisten profitieren“, sagt Schindelmeiser. Der 53-Jährige bezieht damit klar Stellung zu den Bestrebungen des Ligaverbandes DFL, immer mehr Clubs zu weiten Werbetouren zu animieren.

Sinn und Unsinn von Trainingslagern in fernen Ländern

Hintergrund dieser Aussage ist, dass in der Liga eine Diskussion über den Sinn und Unsinn von Trainingslagern in fernen Ländern entbrannt ist. Stellvertretend geführt durch Karl-Heinz Rummenigge, den Vorstandsvorsitzenden des FC Bayern, und Ralph Hasenhüttl, den Trainer von RB Leipzig. Hasenhüttl hatte aus dem Trainingslager in Seefeld gemeint, dass er froh sei, dass seine Spieler nicht solchen Reisestrapazen wie die Münchner in Asien ausgesetzt seien. „Ich halte es schon für problematisch, Spieler komplett in andere klimatische Verhältnisse zu jagen“, sagte der Coach in Tirol. Rummenigges Konter aus Singapur hatte es dann in sich, da er grundsätzlich wurde: „Die Clubs, die in Asien und Amerika waren, haben etwas pro Bundesliga-TV-Vermarktung geleistet. Und bei den Clubs, die nach wie vor den einfachen Weg wählen und sich in Österreich oder der Schweiz vorbereiten, bin ich sehr skeptisch, ob sie damit einen Beitrag zum Wohle der Bundesliga leisten.“

Dass der deutsche Rekordmeister seine PR-Tour auch mit Blick auf die anderen Vereine durchgezogen hat, glaubt Schindelmeiser jedoch nicht. „Da steht weniger der Solidaritätsgedanke dem SC Freiburg oder uns gegenüber im Vordergrund“, sagt der VfB-Sportchef. Vielmehr verfolgt der FC Bayern starke Eigeninteressen. Die weltweit aktiven Sponsoren wollen bedient und die eigene Globalisierung vorangetrieben werden. Zehn Millionen Euro sollen in die Münchner Kasse geflossen sein. Ein Betrag, für den sich die Asien-Reise finanziell lohnt und Abstriche in der sportlichen Vorbereitung in Kauf genommen werden. Beim VfB verhält es sich aber genau andersherum: Die gute Arbeit in den nahen Alpen soll sich vor allem sportlich auszahlen.

Quelle: Stuttgarter Zeitung


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