2. Liga

Wolf will noch keine Jubelarien anstimmen

Der VfB Stuttgart wird nach dem Sieg gegen Union Berlin gefeiert, doch Trainer Hannes Wolf will nicht zu viel davon hören.

[Linked Image]
Der Dirigent an der Seitenlinie: VfB-Trainer Hannes Wolf

Simon Terodde hat mit der Faust auf den Boden gehauen. Vor Freude, nicht vor Wut. Einen letzten Zweikampf hatte er bestritten, seinen wuchtigen Körper noch einmal eingesetzt – und war dann gefoult worden. Er sank auf die Knie, und in diesem Moment platzte die Restenergie aus ihm heraus, da der Stürmer des VfB Stuttgart wusste: Es ist geschafft. 3:1 gegen Union Berlin gewonnen, den Verfolger distanziert. Mehr aber nicht.

Dennoch herrschte sowohl auf dem Platz als auch auf den Rängen des Stuttgarter Stadions eine euphorische Stimmung. Denn den VfB in der zweiten Liga zu feiern, ist in Mode und endlich, so die Wahrnehmung vieler Anhänger, hatte die Mannschaft auch fußballerisch restlos überzeugt. Doch dieser Feiermodus birgt ja gerade für dieses Stuttgarter Team Gefahren.

„Wir wollen jetzt nicht alle Spieler mit Lobeshymnen überziehen“, sagt der Trainer Hannes Wolf, „wir wollen normal bleiben.“ Und zu dieser Normalität gehört, dass Team und Trainerstab den Augenblick genießen. Jedoch ebenso, dass sie sich schon am nächsten Morgen den Mühen des Alltags zuwenden. Denn die Spieler haben seit Montagabend die Jubelarien im Ohr, aber noch nichts in der Hand halten. Nicht die kleine Meisterschale für den Ersten der zweiten Liga – und auch nicht die Auszeichnung, es zumindest als Zweiter direkt zurück in die Bundesliga geschafft zu haben.

Gewissheit gibt es erst am 21. Mai

Diese Gewissheiten gibt es wohl erst am 21. Mai, dem letzten Spieltag der Punkrunde. Und sollte die Saison noch um zwei Relegationsspiele als Tabellendritter verlängert werden, dann würde sich die Stimmung rund um den Wasen erst einmal eintrüben. Doch so weit soll es ja nicht kommen. „Es sind noch zwölf Punkte zu vergeben und wir wollen keinen davon verschenken, in dem wir denken, dass 98 Prozent an Leistungsbereitschaft genügen“, sagt der Manager Jan Schindelmeiser.

Noch immer existiert also die Sorge, dass der VfB nachlassen könnte, wenn es ihm zu gut geht. Verstärkt wird diese durch die Eigenheiten dieser seltsamen Liga, in der die ersten vier Clubs dicht beieinander liegen und der Union-Coach Jens Keller sagt: „Sechs Punkte Abstand auf den Spitzenreiter sind viel und wir träumen jetzt nicht mehr davon, den VfB abzufangen.“ Aber drei Zähler Rückstand auf den zweiten und dritten Rang versprechen turbulente Wendungen in der Saisonendphase.

Davor ist auch der VfB nicht gefeit, obwohl er gegen die Berliner seine vielleicht beste Saisonleistung gezeigt hat, gemessen auch an der Bedeutung der Begegnung und der Qualität des Gegners. Bei den Gästen verfestigte sich aber schnell der Eindruck, dass gegen die Stuttgarter in dieser Verfassung nicht viel zu machen ist. In allen Belangen waren sie besser, so dass wieder die Frage auftauchte, warum der VfB die Liga nicht beherrscht? Warum er von der Konkurrenz nicht nur mit dem Fernglas auf dem Platz an der Sonne erfasst wird?

Ja, warum eigentlich? Da der VfB doch über die besten Einzelspieler, den edelsten Kader und die treuesten Fans verfügt. Zu sehen bei den Toren durch Alexandru Maxim (29.), Simon Terodde (33.) und Daniel Ginczek (68.). Mit diesem Personal müsste doch eigentlich jeder Trainer aufsteigen, ist eine vorherrschende Meinung. „Aber wir haben auch schon dieses andere Gesicht gezeigt“, sagt Wolf. In Dresden, in Würzburg, in Fürth. Jede dieser Niederlagen erzählt eine eigene Geschichte, gemein ist ihnen jedoch, dass die Stuttgarter jeweils keine Einstellung zum Spiel fanden.

Nürnberg ist nicht zu unterschätzen

„Es gibt nun aber keinen Grund, den 1. FC Nürnberg am Samstag zu unterschätzen“, sagt Schindelmeiser, der wie Wolf nur zu gut weiß, wie dünn der Faden ist, an dem der Erfolg hängt. Zu erleben beim Anschlusstor durch Sebastian Polter (57.) und nachzuschauen in der Ergebnisliste, da die Stuttgarter häufig knappe Resultate erzielten. Auch gegen Union wurde es eng. Aber nur kurz. „Es war bemerkenswert, wie die Mannschaft mit dem Anschlusstreffer umgegangen ist“, sagt Wolf. Sie blieb mutig.

Doch nun da der VfB demonstriert hat, dass er scheinbar viel kann und wenig fürchten muss, wenn man das Union-Spiel als Einzelmaßstab nimmt, geht es weiter darum, eine schwierige Übung hinzubekommen – den Spagat zwischen Spannung und Selbstvertrauen auf der einen Seite sowie Wachsamkeit ud Konzentration auf der anderen. Den Stuttgartern wird das in den verbleibenden vier Spielen alles abverlangen, da sie immer wieder um Kontinuität und Stabilität ringen. „Das wird noch ein ganz heißer Ritt“, ist sich Wolf sicher.

Quelle: Stuttgarter Zeitung


Mummi [Linked Image]